Kühe: Vierbeinige Pharmaproduzenten
Arznei aus bayerischen Rindern: Antikörper aus transgenen Kühen soll Krebs bekämpfen
Seit wenigen Wochen ist das erste Medikament aus transgenen Tieren in Deutschland auf dem Markt. Weitere werden folgen, kündigen die beteiligten Forscher an. In Deutschland setzt nur eine Biotech-Firma auf diesen jungen Markt. In ihren Ställen hält sie Rinder und Kaninchen, die Krebsarzneien im Blut haben.
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Auf einer Anhöhe nahe Hilgertshausen, 25 Kilometer nordwestlich von München, liegt ein Bauernhof, der seinesgleichen sucht. In den Ställen stehen zwar Dutzende Stiere, Kühe und Kälber, gewöhnliche Nutztiere sind das aber nicht. Denn durch ihre Adern fließt eine Arznei, die eines Tages Krebs bekämpfen soll.
Der Hof ist zugleich Sitz der Firma Agrobiogen. Hier werden Tiere gentechnisch verändert, damit sie sich in eine grasende Medikamentenfabrik verwandeln. Mit dieser Kombination aus Viehzucht und Pharmaproduktion, auch "Pharming" genannt, möchte Firmenchef Gottfried Brem Medikamente für schwer behandelbare Krankheiten herstellen.
Dass Pharming eine lukrative Geschäftsidee sein kann, hat ein Konkurrent schon vorgemacht: Nach zwanzig Jahren Entwicklungsarbeit hat das US-Biotech-Unternehmen GTC Biotherapeutics das erste Medikament aus transgenen Tieren auf den Markt gebracht. Der Blutgerinnungshemmer Antithrombin III wird aus der Milch von gentechnisch veränderten Ziegen isoliert. Aus jedem Liter holt das Unternehmen bis zu zehn Gramm der Arznei, die bis dahin aufwändig aus Blutspenden gefiltert wurde. Eine Ziege ersetzt nun etwa 90.000 Blutspendeeinheiten. Seit Anfang Mai wird das Medikament auch in Deutschland verkauft.
"Das war ein enorm wichtiger Durchbruch, der das Vertrauen in die Pharming-Technologie gestärkt hat", sagt Angelika Schnieke, Tierbiotechnologin an der Technischen Universität München. Weitere Medikamente aus Ziegen, Kühen, Kaninchen und Schafen werden nun folgen. Davon ist sie überzeugt. Die niederländische Pharming Group etwa hat verschiedene Wirkstoffe in der Pipeline. Die kalifornischen Firmen Hematech und Origen forschen ebenfalls an Arzneien aus dem Tier. Diese sollen Krebs zurückdrängen, Blutkrankheiten lindern oder als Impfstoff gegen Infektionen gespritzt werden. "In Deutschland gibt es nur wenig Aktivitäten im Bereich des Pharming", bedauert Schnieke. Die Agrobiogen sei hierzulande die einzige, noch dazu wenig bekannte Firma, die auf die Vierbeiner setzt.


















