Auf der Überholspur
In der Physik überflügelt Europa mittlerweile das "gelobte Forschungsland" USA
Die USA waren für Physiker eine Art Paradies: Es gab dort die besten Wissenschaftler, die besten Labore und die besten Bedingungen. Doch in den vergangenen Jahren haben die Amerikaner die Finanzierung von Großprojekten und auch die der Grundlagenforschung gekürzt. Die Folge: Europa holt nicht nur auf, sondern hat die USA zum Teil bereits überflügelt, etwa bei prestigeträchtigen Anlagen wie dem Superbeschleuniger LHC und dem experimentellen Fusionsreaktor ITER.
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Die Welt ist im Wandel – zumindest die Welt der Physik. Jahrzehntelang waren praktisch alle wichtigen Entdeckungen, alle renommierten Forscher und alle spektakulären Experimente in den USA zu finden, ein Aufenthalt dort war quasi eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Forscherkarriere. Heute ist es Europa, auf das die physikalische Welt schaut: Angefangen vom Large Hadron Collider LHC bei Genf, der zwar aktuell abgeschaltet, aber grundlegend betriebsbereit ist, über den bereits im Bau befindlichen Thermonuklearen Experimentalreaktor ITER in Frankreich bis zum geplanten Darmstädter Antiprotonen- und Schwerionenbeschleuniger FAIR sind alle aktuellen und künftigen Megaprojekte in Europa angesiedelt.
Die teuren Anlagen spiegeln eine grundlegende Trendwende wider – ähnlich wie die Pyramiden die Macht der Pharaonen demonstrierten: Die USA haben ihre absolute Vormachtstellung verloren. "Dass Europa aufgeholt hat, gilt im Wesentlichen für die Grundlagenforschung", erklärt der Physik-Nobelpreisträger Theodor Hänsch im Interview mit dem Magazin "bild der wissenschaft". Verantwortlich dafür machen er und seine Kollegen vor allem eine Veränderung der Finanzierungspraxis. Früher habe man mit dem Argument "Europa hat ein großes Projekt, also brauchen wir etwas größeres" praktisch jeden Geldgeber überzeugen können, erinnert sich Eberhard Umbach, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.


















