Erinnerungen an das Selbst
Wie das Gehirn die eigene Geschichte abspeichert
Manche Menschen verlieren plötzlich die Erinnerungen an ihr Leben und erkennen selbst ihre nahen Angehörigen nicht mehr. Andere erinnern sich besonders gut an Ereignisse ihres Lebens, und ganz wenige haben sogar fast jeden Tag noch präsent. Die moderne Gehirnforschung untersucht, welche Prozesse diesen Phänomenen zugrunde liegen. Die Ergebnisse geben einen Einblick, wie das autobiographische Gedächtnis zustande kommt und welche Regionen im Gehirn dabei eine Rolle spielen.
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Es klingt wie der beliebte Scherz "Ich geh‘ nur schnell Zigaretten holen": Ein 37-jähriger Mann geht eines Morgens zum Einkaufen, kehrt jedoch nicht mehr zurück, sondern durchquert mit seinem Fahrrad halb Deutschland. Schließlich wird er in eine Nervenklinik aufgenommen, wo sich herausstellt, dass er sich nicht mehr an seine Vergangenheit erinnern kann. Auch seine Frau und seine Kinder erkennt er nicht wieder.
Der Mann leidet unter einem sogenannten psychogenen Fugue-Zustand , erläutert der Neurowissenschaftler Hans Markowitsch von der Universität Bielefeld. Menschen mit diesem Störungsbild verlieren allein durch psychische Faktoren, häufig durch extremen Stress, plötzlich die Erinnerung an ihr Leben. Gerade diese extremen Gedächtnisausfälle sind es, die Markowitsch interessieren: Er untersucht das autobiographische Gedächtnis, das die Erinnerungen an das eigene Leben abspeichert. Im Mittelpunkt steht für ihn dabei vor allem die Frage, welche Gehirnregionen dafür benötigt werden.
"Autobiographische Erinnerungen sind wesentlich komplexer als die Erinnerung an Fakten oder Bewegungsabläufe", erläutert er. "Denn sie sind immer mit Gefühlen und mit der eigenen Person verbunden. Deshalb sind sie auch besonders anfällig für Fehler oder Ausfälle." Denn um eine solche Erinnerung abrufen zu können, müssen die Hirnregionen, die für die einzelnen Teilprozesse zuständig sind, geordnet zusammenarbeiten. Dabei spielen Teile des Stirnhirn und des Schläfenlappens eine Rolle, aber auch Bereiche des limbischen Systems, die Erinnerungen mit emotionalen Tönungen versehen.


















