Viel mehr als rote Streifen
Die Sepsis ist eine lebensbedrohliche Erkrankung und wird immer noch häufig unterschätzt
Die umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannte Sepsis gehört zu den häufigsten Todesursachen im Krankenhaus. Auslöser sind meist Bakterien, die von einer Verletzung in die Blutbahn gelangen. Entgegen der landläufigen Meinung sind jedoch keineswegs äußere Verletzungen die häufigste Ursache, sondern innere Erkrankungen. Wenn die ersten Symptome auftreten, heißt es schnell handeln.
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Kaum eine Krankheit wird so häufig verkannt wie die Sepsis. Und das, obwohl sie die dritthäufigste Todesursache in Deutschland ist. Immer noch denken viele, die sogenannte Blutvergiftung könnte lediglich durch offene Wunden ausgelöst werden. Dabei wird eine Sepsis viel häufiger durch Lungenentzündungen oder Erkrankungen im Bauchraum ausgelöst. Entscheidend ist eine frühe Diagnose. Und genau darin liegt das Problem.
Laut einer Erhebung des Universitätsklinikums Jena sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 60.000 Menschen an einer Sepsis. Damit ist sie nach Herzinfarkt und Krebs eine der häufigsten Todesursachen; auf Intensivstationen sogar die häufigste. Trotzdem glauben die meisten Menschen, sie würden eine Blutvergiftung ganz einfach an einem rotem Strich auf der Haut erkennen. Dieser wandert, wie es auch Astrid Lindgren in "Michel aus Lönneberga" beschreibt, von einer offenen Wunde in Richtung Herz. Tatsächlich ist eine Schnittwunde, wie sie sich Michels Freund Alfred zugezogen hat, nur eine von vielen Auslösern für eine Sepsis.
Hinter einer Blutvergiftung stecken immer Krankheitserreger, in 95 Prozent der Fälle Bakterien, seltener Pilze oder Parasiten. Unter normalen Umständen bekämpft das Immunsystem diese Erreger und ihre Gifte dort, wo sie den Körper befallen haben. So kommt es zwar zu einer lokalen Entzündung, zum Beispiel in der Lunge oder an einer Wunde. Die Erreger gelangen dank der guten Abwehr aber nicht in die Blutbahn. Wenn das Immunsystem jedoch geschwächt ist oder die Bakterien besonders aggressiv sind, können sie ins Blut übergehen und sich so im gesamten Körper ausbreiten. Über eine Art Schneeballeffekt entstehen dann überall im Körper neue Entzündungsherde. Diese Kettenreaktion kann im schlimmsten Fall innerhalb weniger Stunden zu einer schweren Sepsis und dem Versagen verschiedener Organe führen. Im Schnitt überleben nur etwa 60 Prozent der Betroffenen diesen Amoklauf des Immunsystems.


















