Bröckelnde Alpen: Der Klimawandel gefährdet Berge und Menschen
Die globale Erwärmung beeinflusst nicht nur entlegene Gebiete wie Sibirien oder die Arktis – auch die Alpen verändern sich mit den steigenden Temperaturen
Der Klimawandel ist in aller Munde. "Höhere globale Mitteltemperaturen", wie Meteorologen sagen, lassen den Permafrostboden in Sibirien auftauen und nehmen den Eisbären ihren Lebensraum, "gehäufte Starkregenereignisse" verursachen in China Überschwemmungen und "eine größere Wahrscheinlichkeit für Extremwetterphänomene" gefährdet den Süden der USA. Das klingt zwar bedrohlich, bleibt aber abstrakt, nicht zuletzt, weil das alles weit weg vom alltäglichen Leben in Deutschland stattfindet. Dabei ist der Klimawandel längst in der direkten Nachbarschaft angekommen – und macht sich dort eindrucksvoll bemerkbar: Er zermürbt im wahren Wortsinn die Alpen.
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Besonders stark zu spüren bekommt das der Schweizer Ferienort Grindelwald im Kanton Bern, berichtet die Zeitschrift "bild der wissenchaft" in ihrer April-Ausgabe. Er liegt unterhalb einer tiefen Schlucht, die auf der einen Seite von der Ostflanke des Eigers begrenzt wird und in die der Untere Grindelwaldgletscher hineinreicht. In den vergangenen Jahren häufen sich dort Muren, Gerölllawinen und Co. Hauptschuldiger: die globale Erwärmung.
"In Grindelwald spielen sich auf engstem Raum viele Prozesse wie im Lehrbuch ab", sagt auch der Geologe Hans Rudolf Keusen, der das Gebiet seit fast zehn Jahren intensiv beobachtet. Begonnen hat seine Tätigkeit in Grindelwald im Frühjahr 2000, nachdem eine große Gerölllawine in die Gletscherschlucht stürzte. Die Ursache fand sich in 2.700 Metern Höhe: Dort war der Permafrostboden an einer Bergflanke angetaut, in einem Bereich, in dem das Gestein einen hohen Eisanteil enthielt. Das Gestein wurde brüchig und stürzte schließlich donnernd zu Tale – ein Vorgang, der sich seitdem regelmäßig während des Sommers wiederholt.
Doch damit nicht genug: Neben dem aufgeweichten Permafrost wird auch das Verschwinden der Gletscher, insbesondere des Unteren Grindelwaldgletschers, für den kleinen Ort zunehmend zum Problem. Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts füllte das Eis des Gletschers einen großen Teil der Schlucht aus. Mittlerweile hat er jedoch rund 200 Meter an Höhe verloren, und jedes Jahr kommen mehrere Meter dazu.
Das bleibt nicht folgenlos: Die steilen Berghänge verlieren den Halt, den ihnen der Gletscher durch den Druck der Eismassen auf das Gestein jahrhundertelang geboten hat. Eine Konsequenz davon zeigte sich im Frühjahr 2005: Direkt unterhalb der bei Wanderern beliebten Stieregg-Hütte, die auf vom Gletscher zusammengeschobenen Moränenschutt gebaut war, bildeten sich Risse im Hang – und kurze Zeit später donnerten mehr als 600.000 Kubikmeter Gestein in die Schlucht. Die Hütte war verloren.


















