Wenn Hunde Frieden stiften
Tiere werden immer mehr als Geheimwaffe gegen Aggression eingesetzt
Die tiergestützte Therapie unter Gefangenen ist nach einer unveröffentlichten Studie wirksamer als klassisches Antiaggressionstraining. Während Lehrer und Therapeuten oft nicht an die Jugendlichen herankommen, können Tiere Türen öffnen und das soziale Miteinander indirekt beeinflussen. Aus diesem Grund streifen auch in Schulen immer mehr Hunde umher.
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Der Streit zwischen den Jugendlichen eskaliert, Fäuste prallen aufeinander. Ein Hund, bis dahin passiver Zeuge des Geschehens, rast davon und kauert sich unter einem Tisch zusammen. Die Streithähne schauen erschrocken auf das hysterisch flüchtende Tier und halten vor Erstaunen in der Prügelei inne. Der Zwergspaniel will nichts mehr von ihnen wissen, auch als die Jugendlichen ihn später unter dem Tisch hervorlocken wollen.
Diese Szene aus der Jugendvollzugsanstalt Neustrelitz wird Donatha Wölk nie vergessen. Von 2004 bis 2007 bot die Sozialarbeiterin und Dozentin für tiergestützte Therapie dort „soziales Lernen mit Hunden“ an. „Die Jungen haben selbst gesehen, was Gewalt anrichten und kaputt machen kann“, erklärt sie zu dem Vorfall, den sie auch mit den Häftlingen besprochen hat.
Nur selten tauchen in Deutschland Tiere in Gefängnissen auf, häufiger schon an Schulen, um das soziale Miteinander zu fördern. Die Erfahrungen in den Haftanstalten wurden in der Vergangenheit kaum wissenschaftlich ausgewertet. Doch die tiergestützte Therapie scheint anderen Methoden haushoch überlegen zu sein, hat der Berliner Psychologe Daniel Maennle beim Vergleich der Entwicklung der inhaftierten Jugendlichen in Neustrelitz vor und nach der Therapie herausgefunden. Einige hatten Wölks Kurs besucht, andere wählten Antiaggressionstraining, wieder andere bildeten Blindenhunde aus. Eine vierte Gruppe blieb dem Unterricht fern.
„Das Erstaunlichste war für mich“, sagt Wölk, „dass die Jugendlichen sofort Kontakt zu mir aufnahmen.“ Gefangene lehnen oft Lehrer, Sozialarbeiter und Therapeuten ab. Wölk fragen sie indes, wie ihre Hunde heißen oder ob sie die Tiere anfassen dürfen. Über den Collie und den Zwergspaniel können die Jungen unverfänglich reden, ohne etwas von sich preiszugeben. „Die Vierbeiner bauen mir eine Brücke“, so Wölk.





















