Vom In-vitro-Fleisch zum schmerzfreien Nutzvieh
Forscher wollen mit Biotechnologie die Fleischproduktion der Zukunft revolutionieren
Ob Vegetarier oder Fleischliebhaber – dass die Schnitzel weder auf Bäumen noch im Supermarktregal wachsen, ist allen klar. Während die einen jeglichen Fleischkonsum grundsätzlich ablehnen, machen sich andere Gedanken darüber, wie der weltweit wachsende Hunger nach Fleisch gestillt werden kann, ohne dass dabei das Tierwohl auf der Strecke bleibt. Ein weiteres Problem der modernen Tierhaltung ist, dass sie im Vergleich zu Produktion von vegetarischen Lebensmitteln sehr viel Energie und Ressourcen verbraucht. Wissenschaftler suchen daher nach Möglichkeiten, Fleisch auf alternativem, schonendem Wege zu produzieren.
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Der amerikanische Philosoph Adam Shriver etwa schlägt in der Fachzeitschrift "Neuroethics" (Bd. 2, S.115) vor, Nutztiere genetisch so zu verändern, dass sie keinen Schmerz mehr empfinden. Die Tiere würden zwar noch Reize wahrnehmen, aber ähnlich wie bei einem Menschen, der starke Schmerzmittel einnimmt, würden sie diese nicht mehr als unangenehm oder gar quälend empfinden. Die Produktion solcher Tiere ist zwar noch Zukunftsmusik, aber wären sie wirklich eine Möglichkeit, das Dilemma um das Tierwohl zu lösen?
Abgesehen von der technischen Machbarkeit gibt es noch weitere Einwände gegen die schmerzlosen Tiere. Würden solche Lebewesen tatsächlich gezüchtet, wäre dies Kritikern zufolge eine Bankrotterklärung für jegliches Tierschutzbestreben, denn anstatt die Haltungsbedingungen den Tieren anzupassen, werden die Nutztiere weiter instrumentalisiert. "Damit würde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet", meint Herwig Grimm, diplomierter Landwirt, Philosoph und Forscher an der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit dem Schwerpunkt Tierethik und Ethik in der Landwirtschaft. Er erklärt: "Ein so verändertes Tier wäre dann nur noch ein Automat. Es gäbe plötzlich zwei Arten von Tieren, für die genetisch veränderten würde wahrscheinlich gar kein Tierschutz mehr als nötig erachtet." Es wäre nicht mehr weit her mit der Würde dieser Tiere, die ja eigentlich am Ausgangspunkt der Überlegung steht.
Zudem sieht Grimm auch praktische Probleme bei der Haltung von schmerzlosen Tieren. "Mit der Züchtung solcher Tiere gerät die Tierhaltung in ein gefährliches Fahrwasser, denn den Tieren fehlt nicht nur das Schmerzempfinden, ihr Verhalten ist für den Landwirt auch nicht mehr deutbar." Um herauszufinden, ob es seinen Tieren gut geht, muss ein Landwirt ihr Verhalten richtig interpretieren können. Dafür muss er sich auf die sichtbaren Zeichen verlassen, denn ein Tier kann sich nicht anders mitteilen. Ohne das Schmerzempfinden und die entsprechenden Reaktionen des Tieres fehle eines der wichtigsten Signale, erklärt der Landwirt und Ethiker.





















