Die vergessenen Pharaonen
Ein Jahrhundert lang regierten in Ägypten asiatische Einwanderer
Sie kamen aus dem Osten, überfielen das Land, zerstörten Städte und Tempel und verschleppten Frauen und Kinder als Sklaven: So schilderte im 3. Jahrhundert vor Christus der ägyptische Geschichtsschreiber Manetho den Einfall der Hyksos im pharaonischen Reich am Nil. Dieses Volk war aus dem heutigen syrisch-libanesischen Raum gekommen und nahm etwa ein Jahrhundert lang eine machtvolle Rolle in der Hochkultur am Nil ein. Doch ihre Machtübernahme war keineswegs blutig abgelaufen – hier irrte Manetho mit seinem Bericht, den er auch erst mehr als tausend Jahre nach Ende der Herrschaft der Hyksos verfasste. Die Asiaten waren vielmehr als Wirtschaftsflüchtlinge ins Land gekommen und hatten sich über Jahrhunderte hinweg hochgearbeitet.
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Es war die Zeit um etwa 2000 bis 1800 vor Christus. Das pharaonische Reich am Nil litt unter akutem Mangel an Arbeitskräften – ein Bedarf, den auch Menschenraubzüge im schwarzafrikanischen Nubien nicht decken konnten. Da kam der stetige Strom von Zuwanderern aus dem syrisch-libanesischen und dem südpalästinensischen Raum gerade recht. Es waren Arbeiter auf der Suche nach einem besseren Auskommen. "Die Fleischtöpfe Ägyptens haben schon immer gelockt", erklärt der Wiener Archäologe Manfred Bietak in
in der Dezemberausgabe der Zeitschrift "bild der wissenschaft" die Gründe der Einwanderungswelle.
Die Menschen, die sich im östlichen Nildelta als Landarbeiter, Köche, Diener, Weberinnen, Winzer oder Brauer verdingten, brachten auch ihre Kultur und Religion mit in die neue Heimat: Sie pflegten ihren eigenen Stil im Hausbau und in der Anfertigung von Keramik, und sie huldigten ihren Gottheiten. Auf Hinterlassenschaften dieser Kultur stieß der Wiener Archäologe Manfred Bietak bei seinen Ausgrabungen: Bereits seit 1966 ist er den Hyksos auf der Spur und entdeckte jetzt in Auaris, der Hauptstadt der Hyksos, einen Tempel in vorderasiatischer Bauweise. Der Tempel stammt aus dem Jahr 1700 vor Christus, dürfte aber nicht der erste gewesen sein, vermutet Bietak.
Neben den einfachen Arbeitern kamen gegen 1750 vor Christus zunehmend auch Fachleute aus dem heutigen Libanon an den Nil. Schiffsbauer und Matrosen, Segelmacher, Soldaten und Handelsleute. Die Einwanderer etablierten Pferde und den Streitwagen zur Kriegsführung und trugen damit zur militärischen Aufrüstung des pharaonischen Reichs bei. Mit dessen Führung ging es einstweilen bergab: In schneller Folge lösten sich die Herrscher ab, so dass die durchschnittliche Regierungszeit schließlich nur noch etwas über drei Jahre betrug.



















