Pflanzlicher Süßstoff Stevia
Die EU-Behörden zögern noch bei der Zulassung der kalorienarmen Süße aus Südamerika
Für den argentinischen Bauern Carlos Haigis gibt es keinen Matetee ohne Steviablätter. Das Süßkraut verleiht dem leicht bitteren Muntermacher die angenehme Süße. Dafür braucht es nicht viel. Ein Blatt ersetzt einen Zuckerwürfel. Das Grün ist 40-mal so süß wie Zucker.
Gemeinsam mit seinem Sohn betreibt Haigis nahe der Stadt Mercedes in Argentinien einen landwirtschaftlichen Betrieb. Er möchte Stevia für den Export anbauen, für die USA, vielleicht auch für Europa.
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Haigis weiß: Im Ausland ist die Begeisterung um Stevia groß. Das Honigkraut, wie es auch genannt wird, hat kaum Kalorien, befördert keine Karies und enthält sogar Stoffe, die Zahnbelag verhindern. Steviafans feiern das Kraut als Erlösung vom Dickmacher Zucker, eine Wonne der Natur, der man hemmungslos frönen kann. Sie stützen sich dabei gerne auf kulturelle Tradition. In Paraguay und der Grenzregion Brasiliens schlürfen Indianer ihren Matetee seit über 500 Jahren versüßt mit dem Honigblatt.
Im Juli 2008 erklärte ein Expertenausschuss der Weltgesundheitsorganisation den Süßstoff aus der südamerikanischen Pflanze für unbedenklich. Vorausgesetzt, dieser ist mindestens zu 95 Prozent rein und es werden weniger als vier Milligramm am Tag je Kilogramm Körpergewicht verzehrt. Wohl gemerkt, bei diesen Zahlen dreht es sich nicht mehr um das Grün, sondern um ein chemisch extrahiertes weißes Pulver, das wie Puderzucker auf Kuchen rieseln oder in den Kaffee gestreut werden kann.
Die Schweiz bewilligte im August 2008 Lebensmittel mit der neuen Süße. Auch Australien öffnete dem weißen Pulver Fabrik- und Ladentüren, und die USA ließ den Süßstoff als Nahrungsergänzungsmittel zu. Im August 2009 erteilte schließlich Frankreich eine vorläufige Genehmigung.
Die US-Lebensmittelgiganten Cargill und Merisant haben einige hundert Millionen Dollar in die Produktion des Steviapulvers investiert. Schon sind in den USA Steviapillen bei Kaffeetrinkern in Mode. In der Schweiz kann man Kräuterbonbons mit der grünen Süße lutschen. In Frankreich bringt Coca Cola Anfang "FantaStill", eine mit Stevia gesüßte Limonade, auf den Markt, die 30 Prozent weniger Zucker enthalten soll.



















