Bauernhof bewahrt vor Überempfindlichkeit
Gute Mikroben in der Landluft: Bioaerosole können vor Allergien schützen
Es ist eines der größten Rätsel der Immunologie: In den Industrieländern leiden 20- bis 60-mal so viele Menschen an Allergien wie in den Entwicklungsländern. Es ist ein Fluch des Fortschritts, wie sich eindrücklich in einer neuen Untersuchung aus der Mongolei gezeigt hat: In den Dörfern haben neun bis dreizehn Prozent der Bewohner eine Allergie, in den Städten sind es schon 12 bis 25 Prozent und in der Millionenstadt Ulan Bator 18 bis 31 Prozent. Mit der Verstädterung steigt offensichtlich die Gefahr, dass das Immunsystem fehlgeleitet wird.
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Kinder vom Land leiden generell seltener unter Heuschnupfen, am besten geht es Bauernkindern. Das gilt auch für Deutschland. Sie sind bis ins Erwachsenenalter weitgehend vor immunologischen Irrläufen gefeit, wie epidemiologische Studien bestätigen. "Dass der Schutz so ausgeprägt ist, fasziniert mich sehr", sagt die Immunologin Erika von Mutius von der Universitätskinderklinik in München. "Wenn Bauernkinder alles richtig machen, haben sie höchstens ein Drittel der Erkrankungsrate der Stadtkinder. Das ist ein drastischer Effekt."
Was haben Bauernkinder anderen voraus? Diese Frage nimmt Forscher seit geraumer Zeit in Beschlag. Sie nehmen an, dass der Kontakt mit Tieren günstig ist. Tatsächlich senkt das Zusammenleben mit Schweinen, Kühen und anderem Vieh das Risiko, wie mehrere Studien ergaben. Günstig ist auch, wenn schon die Schwangerschaft auf einem Gehöft verbracht wird. Und: Unpasteurisierte Milch senkt das Risiko nachweislich.
Ein buntes Bild, für das sich eine gemeinsame Erklärung aufdrängt. Mikroben müssen eine Rolle spielen. Sie haften an Tieren, leben auf Bauernhöfen und in der Milch. Schon 1989 stellte der Londoner Epidemiologe David Strachan die Hygienehypothese auf, wonach Infektionen und der Kontakt mit Unhygienischem vor Allergien schützen. Man dachte an Krankheitserreger, die das Immunsystem zu echter Abwehr veranlassen.
"Das ist absoluter Blödsinn", findet von Mutius deutliche Worte. Die Hygiene-Hyopthese wurde vielfach falsch verstanden, stellt sie klar: "Es geht nicht um einzelne Krankheitserreger. Wichtig ist der dauerhafte Kontakt mit dem gesamten Spektrum an Umweltmikroben, von denen nur ein sehr kleiner Teil krankmachend ist."





















