ANZEIGE
Auch Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) betont, dass Neozoen nicht per se problematisch sind: "Die Halsbandsittiche im Rheinland etwa sehen wir als eine Tierart an, die bisher keine einheimischen Vögel verdrängt und durchaus eine Bereicherung darstellt. Mitten in Deutschland eine farbige Papageienart zu beobachten, ist schon etwas Spezielles". Diese Sittiche gehen auf einige freigelassene Vögel zurück und brüten seit den 1990er Jahren erfolgreich – mittlerweile leben einige tausend Halsbandsittiche im Rheinland und in Nordrhein-Westfalen.
Dennoch bereitet dem Zoologen aus Berlin alleine die enorme Masse an neuen Tierarten Sorgen. Die Ökosysteme würden durch den Menschen mit hoher Geschwindigkeit durcheinandergewürfelt – ein Experiment mit unbekannten Folgen. Seiner Meinung nach sind oft nicht einmal die Einwanderer selbst das Problem, sondern vielmehr die durch sie eingeschleppten Krankheiten. So wird etwa der Aal durch einen Parasiten dezimiert, der von kleinen Krebstieren aus Asien übertragen wird und der europäische Edelkrebs ist stark zurückgegangen, weil ihn sein amerikanischer Verwandter mit der Krebspest infiziert. "Gerade in Ökosystemen im Wasser werden viele Neozoen zum Problem, weil diese Lebensräume durch den Menschen häufig stark gestört sind und die Neulinge deshalb wenig Konkurrenten haben."
Hier will der NABU vor allem mit präventiven Maßnahmen vorgehen. So sollten etwa Schiffe ihr Ballastwasser vor dem Ablassen filtern oder chemisch behandeln, um Organismen aus fernen Gewässern abzutöten. Prävention hält auch Kinzelbach für sehr wichtig, meint aber, dass der Zug gerade bei Gewässerlebensräumen längst abgefahren sei. Denn: "Schon die ersten Seefahrer haben von ihren Reisen fremde Organismen nach Europa gebracht", erklärt er. Die verschleppbaren Arten seien deshalb wohl alle schon hier bei uns.



















