Reise ins Vergessen
Die richtigen Tagträume verdrängen unangenehme Erlebnisse
Der Gedanke an zeitlich und räumlich weit entfernte Erlebnisse hilft dabei, unangenehme Erinnerungen auszublenden. Das haben US-Wissenschaftler herausgefunden, als sie untersuchten, ob der Inhalt von Tagträumen das Erinnerungsvermögen beeinflusst. Nachdem die Gedanken der Versuchsteilnehmer auf Reisen gegangen waren, fiel es den Probanden sehr viel schwerer, sich wieder an das zu erinnern, was sie vor dem Abschweifen im Kopf gehabt hatten. Die Auswirkungen waren dabei besonders stark, wenn die Tagträume räumlich oder zeitlich weit entfernte Ereignisse zum Thema hatten. Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, unangenehme Erlebnisse gezielt besser aus den Gedanken zu verbannen.
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In Tagträumen schicken Menschen ihre Gedanken auf Reisen und begeben sich mental an einen anderen Platz in einer anderen Zeit. Wie Psychologen wissen, spielt der Kontext bei der Erinnerung eine entscheidende Rolle: Wenn ein Platz verlassen wird, an dem ein Ereignis stattgefunden hat, ist es später schwieriger, sich an dieses zu erinnern. Studien hatten zudem gezeigt, dass Tagträume den Zugang zu Gedanken an die nahe Vergangenheit erschweren. Das Forscherteam um Peter Delaney von der University of North Carolina wollte nun wissen, ob dabei das jeweilige Thema des Tagtraums beeinflusst, wie die aktuellen Gedanken gespeichert werden.
In einem ersten Experiment betrachtete jeder Proband Worte, die nacheinander auf einem Computerbildschirm erschienen. Anschließend mussten die Teilnehmer entweder an ihr Zuhause denken, in dem sie noch am Morgen gewesen waren, oder an ihr Elternhaus, das sie bereits seit mehreren Wochen nicht betreten hatten. Dann zeigten die Psychologen ihnen eine zweite Wortliste. Am Ende des Tests sollten die Probanden möglichst viele der Worte von beiden Listen wiedergeben. Ergebnis: Die Teilnehmer, die ihre Gedanken in das zeitlich weiter entfernte Elternhaus gelenkt hatten, erinnerten sich an weniger Begriffe.
Ein weiterer Test zielte auf die räumliche Erinnerung ab: Eine Gruppe dachte zwischen dem Lernen zweier Wortlisten an einen Urlaub im eigenen Land, eine andere rief sich Erinnerungen an einen Übersee-Urlaub ins Gedächtnis zurück. Erneut schnitten die Probanden, die sich räumlich – und somit offensichtlich auch gedanklich – weiter entfernt hatten, deutlich schlechter ab. Dies betrachten die Wissenschaftler als Beleg für den Einfluss, den Tagträume auf Prozesse des Verdrängens und Vergessens haben.

















