Wie Krebs entsteht
Scheinbar brauch es nur zwei ineinander greifende genetische Veränderungen, damit ein Krebsgeschwür wächst. Das sagen Forscher der University Of California in San Francisco, die in einer Studie ein bestimmtes Protein, das in die Entstehung von Krebs involviert ist, genau untersuchten. Die Wissenschaftler veröffentlichten die Studie in der Fachzeitschrift Cell (3.Mai 2002).
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Das Protein, auf das sich ihre Forschungsarbeit konzentrierte, heißt c-Myc und wird von den so genannten c-myc Onkogenen gebildet. Onkogene sind eine Klasse von Genen, die normales Zellwachstum anregen aber die, sobald sie beschädigt oder mutiert sind, die Vermehrung einer Zelle übersteuern und daraufhin Zellenhaufen unkontrolliert wachsen lassen - das Kennzeichen für Krebs. Das c-Myc Onkogen wird bei den meisten Krebsarten beim Menschen aktiviert.
In ihrer Studie an Mäusen machten die Wissenschaftler um Gerard Evan drei wichtige Entdeckungen: Zuerst bestimmten sie, dass das c-Myc einen Schlüssel zu einem krebsverhinderndem Mechanismus besitzt – es hat die Fähigkeit Zellen sterben zu lassen, zu der so genannten Apoptose. Zweitens stellten sie fest, dass andere Onkoproteine, die als Bcl-xL bekannt sind, diesen Mechanismus durch ihre Aktivierung verhindern und voll entwickelte Krebserkrankungen verursachen. Die Aktivierung dieser Onkoproteine erfolgt auch durch eine Mutation der dazugehörigen Onkogene. Und schließlich zeigten die Forscher, dass ein Abschalten der c-Myc Proteine einen Zusammenbruch von robusten krebsartigen Geschwülsten und der Blutgefäße, die sie versorgen, hervorruft.
Die Wissenschaftler haben schon vor der Studie gewusst, dass c-Myc einen Zellselbstmordmechanismus hat. Sie haben jedoch vermutet, dass es als ein Sicherheitsventil dient und in Aktion tritt, wenn eine durch c-Myc initiierte Zellausbreitung unangemessen und in der falschen Gewebeumgebung auftritt. Allerdings haben sie nicht gewusst wie oder wann der Zelltod eingeleitet wird.
Die neue Entdeckung stellt die bisherige Theorie über die Entstehung von Krebs in Frage. Im letzten Jahrzehnt haben viele Wissenschaftler Hinweise dafür gefunden, dass es eine Menge von Mutationen der Onkogene in einem mehrstufigen Prozess Ereignisse angehäuft werden, die dann zu Krebs führen. Diese Ereignisse schließen mit ein: unkontrollierte Zellausbreitung, den Verlust der Fähigkeit, sich zu spezialisieren oder "zu differenzieren", die Entwicklung von einem Blutgefäßsystem und die Wanderung und Wechselwirkung einer Geschwulst mit Nachbarzellen und umgebendem Gewebe. Die aktuelle Studie zeigt nun aber, dass komplexe krebsartige Geschwülste im Körper von einer einfachen Kombination von nur zwei ineinander verzahnten Mutationen induziert und aufrecht erhalten werden können.
Die Frage ist nun natürlich, wie oft zwei solche miteinander verbundenen Veränderungen vorkommen. "Es müssen schon die beiden richtigen Verletzungen, die mit einander arbeiten, vorkommen," sagte Evan gegenüber science daily. "C-Myc allein fördert den Zellwachstum. Der wird aber vom Zelltod überwunden. Bcl-xL allein hält die Zellen lebendig, legt jedoch ihr Wachstum lahm. Nur wenn die beiden zusammen auftreten gibt es diese bemerkenswerte Zusammenarbeit. Die Chancen zweier Mutationen dieser Art sind jedoch sehr niedrig. Das kann der Grund sein, warum Krebszellen in unseren Körpern so selten entstehen."
Nicole Waschke

















