Mit neuer Methode behält Morphium seine schmerzstillende Wirkung
Amerikanische Mediziner haben eine Methode entwickelt, um bei Patienten mit chronischen Schmerzen bei der Gabe von Morphium die Dosis nicht erhöhen zu müssen. Die schmerzstillende Wirkung von Morphium bleibe damit auch nach langer Anwendung erhalten. Dies berichten Jennifer Whistler und ihre Kollegen vom Ernest Gallo Clinic and Research Centre der University of California, San Francisco im Magazin Cell (Ausgabe vom 25. Januar 2002).
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Morphium gilt als wirkungsvolles Medikament gegen heftige chronische Schmerzen. Problematisch ist, dass seine Wirkung mit der Zeit nachlässt und Ärzte deshalb die Dosierung erhöhen müssen. Dies kann jedoch zu Abhängigkeit und unerwünschten Nebenwirkungen führen.
Der Wirkmechanismus von Opioiden beginnt damit, dass sie an Opioid-Rezeptoren, so genannten MORs, andocken. Die Rezeptoren selbst werden danach unwirksam. In einem als Endozytose bezeichneten Prozess nimmt die Zelle sie in sich auf. Im Zellinneren werden die MORs "recycelt" und wieder an die Zelloberfläche gebracht. Morphium scheint jedoch im Gegensatz zu anderen Opioiden diesen Kreislauf nicht zu unterstützen. Die Rezeptoren bleiben nach dem Andocken der Morphiummoleküle an der Zelloberfläche stehen.
Bisher meinten Wissenschaftler, die Endozytose schwäche die Wirkung von Opioiden ab. Die Gallo-Forscher fanden heraus, dass gerade die Endozytose die Wirkung von Morphium aufrecht erhält.
In Versuchen mit Ratten gaben die Neurologen Morphium zusammen mit einem harmlosen, die Endozytose fördernden Opioid namens DAMGO. Die Ratten entwickelten daraufhin keine Morphiumtoleranz. Bei konstanter Morphiumdosis blieben sie gegenüber Schmerzreizen unempfindlich.
Die Forscher untersuchten Zellen aus dem Rückenmark der Ratten. Bei der Kontrollgruppe, die nur Morphium bekommen hatte, waren alle Rezeptoren noch an der Zelloberfläche. Anders bei den Ratten, denen Morphium kombiniert mit DAMGO gegeben worden war. Hier fanden die Wissenschaftler Teile der Rezeptoren in der gesamten Zelle. Endozytose hatte stattgefunden.
Der Mechanismus besteht nach Meinung der Forscher darin, dass die Rezeptoren aus wenigen Einzelmolekülen bestehen. Dies erlaubt einem Rezeptor, der mit DAMGO besetzt ist, sich in einen mit Morphium besetzten Rezeptor einzuklinken. Er zieht ihn mit in das Zellinnere, wo beide recycelt werden.
Jennifer Whistle will nun neue Medikamente und neue Medikament-Kombinationen entwickeln, um zuverlässig die Morphiumtoleranz von Patienten mit chronischen Schmerzen zu senken.
Anna Voormann

















