Forscher: Hirnerkrankung prägte Ravels "Boléro"
Eine Hirnerkrankung hat Maurice Ravel bei der Komposition später Werke wie dem "Boléro" entscheidend beeinflusst, behaupten Pariser Forscher im "European Journal of Neurology" (Vol 9, Ausg.1, S. 75). Der französische Komponist habe sich in seinem bekanntesten Werk auf die farbige Umsetzung einfacherer Tonfolgen konzentriert, da seine linke Gehirnhälfte bereits angegriffen war. Dort werden komplexe Melodien wahrgenommen. Der rechte, bei Ravel weitgehend unversehrte Teil des Gehirns hingegen ist für das Erkennen von Klangfarben zuständig.
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Neben einem Verlust der motorischen Fähigkeiten habe Ravel an einem fortschreitenden Zerfall der vor allem in der linken Gehirnhälfte beheimateten Sprachzentren gelitten, schreiben die Forscher um François Boller vom Paul-Broca-Forschungszentrum in Paris. Die musikalischen Fähigkeiten insgesamt sind hingegen auf beide Hirnhälften verteilt, weshalb Ravel seine Fähigkeit zum Komponieren nicht verloren habe. Da die Krankheit schon im Alter von 52 Jahren und die Symptome sich auf wenige Funktionsbereiche des Gehirns beschränkten, glauben die Forscher nicht, dass es sich bei der Krankheit um Alzheimer handelte, wie viele Wissenschaftler vermuten.
Im 1928 entstandenen "Boléro" hat Ravel nur zwei sich mehrmals wiederholende Themen verarbeitet, die mit wechselnder Orchestrierung und wachsender Lautstärke gespielt werden. Ravel starb 1937, etwa zehn Jahre nachdem die ersten Symptome deutlich geworden waren.
ddp/bdw – Ulrich Dewald

















