Kalte Wolke aus atomarem Wasserstoff entdeckt
Galaxien entstehen möglicherweise anders als gedacht
Forscher haben eine riesige Wolke aus kaltem, atomaren Wasserstoff in der Milchstraße entdeckt. Dieser Fund wirft die gängige Vorstellung über den Haufen, dass das interstellare Medium vorwiegend aus kalten Wolken voller Wasserstoff-Moleküle besteht. Die 6.000 Lichtjahre große Wolke, die Lewis Knee vom Dominion-Observatorium in Kanada und Kollegen "Darc Arc" (Dunkler Bogen) tauften, ist so schwer wie 20 Millionen Sonnen und hat eine Temperatur von zehn Grad über dem absoluten Nullpunkt. Das schreiben die Forscher im Fachblatt Nature.
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Ungewöhnlich an der Wolke ist außer ihrer Zusammensetzung auch ihr Alter: Es gibt sie wahrscheinlich schon seit vielen Millionen Jahren. Normalerweise müsste die Rotation der Milchstraße ein so großes Gebilde langsam auseinander ziehen. Der "Dunkle Bogen" zeigt aber nichts dergleichen. Sollte das Wasserstoff-Gas dagegen kurz davor sein, zu einem neuen Stern zu kollabieren, dann müsste es vermutlich im infraroten Licht leuchten, wie etwa im Orion-Nebel. Die neue Wolke ist aber überall so kalt, dass sie fast keine Strahlung aussendet. Sie verriet sich nur durch die Absorption der für Wasserstoff charakteristischen Wellenlänge.
"Im Grunde wirft die Wolke einen dunklen Schatten über den Himmel", schreibt John Dickey von der Universität Minnesota in einem begleitenden Kommentar. "Kein Wunder, dass solche Strukturen trotz ihrer Größe in der Vergangenheit übersehen wurden." Sollten noch mehr solcher atomaren Wasserstoff-Wolken gefunden werden, müssen die Astronomen ihre Vorstellungen über die Entstehung von Galaxien möglicherweise überdenken, meint Dickey.
Ute Kehse


















