Scheintote Fische sollen neue Wege für die Notfallmedizin weisen
Herzstillstand, kein erkennbarer Stoffwechsel mehr, und trotzdem anschließend ohne Schaden weiterleben - einen solchen Scheintod konnten US-Wissenschaftler bei Zebrafisch-Embryos im Labor erzeugen. Nachdem Forscher den Tieren die Sauerstoffzufuhr gekappt hatten, überlebten sie vierundzwanzig Stunden lang in diesem Zustand. Der vorübergehende Scheintod hatte offenbar keine Auswirkungen auf ihre Gesundheit, ihr weiteres Wachstum und ihre Fortpflanzung. Die Experimente lassen auch für den Menschen hoffen: Sie versprechen neue Wege für die Notfallmedizin und die Krebsbekämpfung
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Wir können bei diesen Fischen keine Abnormalitäten feststellen, nachdem sie sich erholt haben, berichtet Mark Roth vom Fred Hutchinson Cancer Center. "Sie wurden erwachsen, paarten sich und hatten normale Nachkommen". Sein Team hatte 25 Stunden alte Zebrafisch-Embryos einen Tag lang ohne Sauerstoff gehalten. Dies führte dazu, dass in den Embryos alle sichtbaren Stoffwechsel-Aktivitäten stoppten. Auch das Herz, das normalerweise 100 Mal pro Minute schlägt, ruhte. Wurde Sauerstoff wieder zugeführt, so nahm der Körper seine Arbeit wieder auf, heißt es im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences.
Ein solcher Scheintod ist von Zebrafischen in freier Wildbahn nicht bekannt, allerdings sind andere Organismen dazu in der Lage. Die Forscher wollen herausfinden, weshalb manche Tiere einen Sauerstoffmangel überleben können. Auch manche Menschen überstehen aus unbekannten Gründen extreme Belastungen wie Unterkühlung und Stoffwechselzusammenbrüche, während andere daran sterben.
Die Wissenschaftler wollen verstehen, was im Zustand des Scheintods im Körper vor sich geht - und wie er sich steuern lässt. Damit könnten sie Menschen ruhigstellen, die mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus transportiert werden müssen. Auch Organe könnten "per Scheintod" besser repariert werden. "Die Kontrollmechanismen der biologischen Ruhe zu verstehen könnte dramatische Auswirkungen für die medizinische Pflege haben, weil es uns die Fähigkeit gäbe, Lebensprozesse auf der grundlegensten Ebene zu kontrollieren", so Roth.
Zudem verspricht sich das Team neue Erkenntnisse für die Krebsbekämpfung. Die bisherigen Therapien setzen darauf, außer Kontrolle geratene Tumorzellen daran zu hindern, sich zu teilen und zu vermehren. "Doch die große Mehrheit der Zellen im Tumor befindet sich in einem Zustand niedrigen Sauerstoffdrucks und vermehrt sich nicht, was der Grund dafür ist, dass manche Tumore nicht auf bestimmte Arten von Bestrahlung und Chemotherapie reagieren", erklärt Roth. Seine Experimente mit Zebrafischen könnten verstehen helfen, weshalb sich manche Krebszellen in einer Art Tiefschlaf befinden - und wie man sie angreifen kann.
Dörte Saße

















