In Afrika wächst die genetisch bedingte Widerstandsfähigkeit gegen Aids
Angesichts der vielen Aids-Infizierten in Afrika untersuchen drei Biologen der University of California, Berkeley, ob die Natur nicht durch spezielle Veränderungen im Erbgut (Mutationen) dieser Epidemie entgegenwirkt. Aids ändert über einen Zeitraum von mehreren Generationen die Häufigkeit bestimmter Mutationen und verlängert somit den Zeitraum zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit, schreiben die Forscher im britischen Fachjournal "Nature" (Bd. 411, S. 545).
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Schon lange spekulieren Wissenschaftler, dass Infektionskrankheiten, die sich zu Epidemien auswachsen wie zum Beispiel Pocken, Einfluss auf die menschliche Entwicklung nehmen, indem sie Gene auswählen, die die Sterblichkeit vor und während der Geschlechtsreife senken. Bislang konnten sie dafür jedoch kaum Beweise vorlegen. M. Slatkin, P. Schliekelman und C. Garner untersuchten nun das Gen CCR5, das nachweislich die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit beeinflusst. Bereits vor vier Jahren hatten Kollegen herausgefunden, dass Mutationen des Gens dazu geführt haben, dass die Krankheit zwei bis vier Jahre früher ausbrach, andere Mutationen hingegen den Ausbruch hinauszögerten.
Berechnungen ergaben, dass im Laufe von 100 Jahren über die Hälfte der Afrikaner gegen Aids resistent sein werden. Heute sind es 40 Prozent. Im Gegenzug sinken die Mutationen, die die Leute anfälliger machen, von 20 auf zehn Prozent. Damit verschiebt sich die Häufigkeit dieser Genveränderung von einem auf 7,8 bis 8,8 Jahre. "Dies ist darauf zurückzuführen, dass die resistenten Menschen zwei bis vier Jahre länger Gelegenheit haben sich fortzupflanzen, als die Anfälligeren. Dem entsprechend haben sie auch zehn bis 20 Prozent mehr Kinder, die ebenfalls das resistente Gen besitzen", so Slatkin.
CCR5 scheint bei Aids deshalb eine wichtige Rolle zu spielen, weil sich der HI-Virus an diesen Rezeptor andockt, bevor er in die Immunzellen eindringt. Mutationen die den Rezeptor verändern oder gar vernichten, würden es dem Virus nahezu unmöglich machen in die Immunzellen zu gelangen.
Birgit Kahler

















