Placebos sind weit weniger wirksam als bisher angenommen
Placebos sind nicht so wirksam, wie man bisher dachte. Eine im New England Journal of Medicine von dänischen Wissenschaftlern veröffentlichte Auswertung von über 100 Studien hat ergeben, dass in den meisten Fällen Placebos die gleiche Wirkung haben wie überhaupt keine Behandlung.
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Allein der Glaube an die Wirksamkeit eines Medikaments führe bei vielen Menschen zu einer Besserung ihrer Beschwerden. Damit begründen es Ärzte, wenn sie ein Placebo, also ein wirkstofffreies Scheinmedikament, verschreiben. Eine Untersuchung von Asbjorn Hrobjartsson von der University of Copenhagen und Peter Gotzsche vom Nordic Cochrane Center belehrt sie jetzt eines Besseren. "Der starke Placeboeffekt, über den immer wieder berichtet wird, beruht unserer Meinung nach auf methodisch fehlerhaften Studien", sagt Hrobjartsson.
Die Wissenschaftler haben 114 medizinische Studien der letzten 53 Jahre ausgewertet, bei denen es um die Behandlung sehr verschiedenartiger Erkrankungen ging. Sie haben dabei nur solche Studien berücksichtigt, deren Teilnehmer in drei Gruppen eingeteilt waren: die Empfänger des echten Medikaments, die Empfänger des Placebos und diejenigen, die gar keine Behandlung erhielten. Es zeigte sich, dass der Heilerfolg in den Placebogruppen nicht größer war, als in den Gruppen der Unbehandelten.
Eine Ausnahme bildete die Schmerzbehandlung, bei der das Scheinmedikament im Durchschnitt eine 15-prozentige Verbesserung erreichte. Das erklären die Autoren damit, dass Schmerz sehr subjektiv empfunden wird und daher leichter psychisch zu beeinflussen sei.
In einem die Veröffentlichung begleitenden Kommentar fordert John Bailor von der University of Chicago, die Verschreibung von Placebos in Zukunft drastisch einzuschränken.
Joachim Czichos

















