Am 9. Januar totale Mondfinsternis in ganz Europa
Nächste Finsternis erst im November 2003
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Alle Jubel Jahre kommt es vor, dass die Astronomie, die gemessen an anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen in der Medienlandschaft eher ein Schattendasein führt, aus ihrem eigenen Schatten hervortritt und sich medienwirksam ins rechte Licht rückt. So geschehen im März und April 1997, als der Komet Hale-Bopp sich die Ehre gab oder am 11. August 1999 während der Sonnenfinsternis, die einen Teil der Weltbevölkerung in Atem hielt. Dass beide Ereignisse zu regelrechten Medienschlagern avancierten und auch den Sternwarten und Planetarien einen ungeahnten Publikumszulauf bescherten, spiegelt zum einem das grundsätzliche Interesse vieler Bürger an derlei Themen wider, da diese meist gebannt in den Himmel starren, wenn astronomische Großereignisse anstehen. Zum anderen verdeutlicht dies, dass Naturschauspiele, die mit bloßem Auge zu sehen sind, Menschen auf besondere Weise bewegen und faszinieren.
Wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln mitteilt, wird es am 9. Januar 2001 zu einer europaweiten totalen Mondfinsternis kommen. Der Mond wird sich, wenn er in den Kernschatten der Erde eintritt, für 62 Minuten total verfinstern. Doch so finster, wie der Begriff Mondfinsternis vermuten lässt, wird sich der Mond dem irdischen Betrachter allerdings nicht präsentieren. Selbst im Maximum der Verfinsterung gibt sich der Erdbegleiter nicht schwarz oder gar unsichtbar. Anders als die Sonne wird er nicht "dunkel"; vielmehr glänzt er in kupfernen Farben, die zwischen rot und braun changieren.
Dieser Farbeindruck resultiert aus der Lichtstreuung und - filterung des Sonnenlichts in der Erdatmosphäre, die insbesondere das langwellige rote Sonnenlicht durchlässt und Richtung Kernschatten bricht, die kürzeren Wellenlängen des Lichtes dagegen absorbiert und zerstreut.
Falls am 9. Januar eine wolkenfreie Sicht vorhanden ist, wird die Dauer der totalen Mondfinsternis insgesamt 62 Minuten betragen. In ganz Europa ist die beste Sichtbarkeit abends zwischen 20.50 Uhr und 21.52 Uhr. Sein Antlitz verändert der Mond, wenn er komplett durch den Kernschatten der Erde zieht. Bereits eine Stunde früher kann auf der Ostseite des Mondes das Eintauchen in den Kernschatten, die sogenannte partielle Phase, mitverfolgt werden. Während der Finsternis befindet sich der Mond im Sternbild Zwillinge, wo er sich in der Nachbarschaft von Jupiter, Saturn und Siebengestirn im sogenannten "Wintersechseck" zeigt.
Die Finsternis vom 9. Januar wird hierzulande für mehr als zweieinhalb Jahre vorerst die letzte totale Mondfinsternis sein. Denn erst am 9. November 2003 wird es in Mitteleuropa eine vergleichbar gute Möglichkeit geben, eine totale Mondfinsternis von Anfang bis Ende verfolgen zu können, dann allerdings erst nach Mitternacht.
Mondfinsternisse sind zwar absolut gesehen seltener zu beobachten, für einen bestimmten Ort auf der Erde sind sie jedoch relativ häufiger als Sonnenfinsternisse zu verfolgen. Denn im Gegensatz zur totalen Sonnenfinsternis, die in einem nur etwa 50-100 Kilometer breiten und mehrere tausend Kilometer langen Streifen auf der Erdoberfläche zu beobachten ist, läßt sich die totale Mondfinsternis gewissermaßen an jedem Punkt der Erde, an dem der Mond zur Zeit der Finsternis über dem Horizont steht, beobachten.
Eine ideale Lage für die Beobachtung der totalen Mondfinsternis im Januar haben die Länder des Vorderen Orients, wo der Mond zur Finsternismitte genau über dem Beobachter im Zenit steht. Die Logenplätze für das farbenfrohe Spektakel haben jedoch die drei Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation, die in rund 380 Kilometer Höhe jenseits von allen irdischen Wolken ein astronomisches Ereignis genießen dürfen, dass ihnen auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird.
Der Erdbegleiter wird während der Finsternis Anfang Januar 2001 relativ groß erscheinen, weil er zu diesem Zeitpunkt auf seiner Bahn besonders nahe zur Erde steht. Am darauffolgenden Tag um 10 Uhr MEZ wird er dann den erdnächsten Punkt erreicht haben. Dies entspricht einer Entfernung von "nur" 357.130 Kilometer.
Mondfinsternisse finden schon seit der Antike besondere Beachtung, aber auch heute noch nutzen Astronomen und Planetenforscher diese Ereignisse für wissenschaftliche Untersuchungen. Hierbei geht es um vergleichende Messungen, bei den die Oberflächenbeschaffenheit von weitgehend unbekannten Himmelskörpern wie Asteroiden genauer bestimmt werden sollen.
Vielleicht werden am 9. Januar zumindest all jene ein klein wenig entschädigt, die am 11. August 1999 leer ausgegangen sind. Damals war anstelle eines solaren Schattenspiels am Firmament nur ein wetterbedingt trübes Trauerspiel zu sehen. Wem dennoch eine Mondfinsternis zu fad ist, wer sich lieber an einer totalen Sonnenfinsternis erfreuen will, die mit großer Wahrscheinlichkeit auch zu "sehen" sein wird, sollte sich im Juni 2001 ins südliche Afrika begeben oder nach Madagaskar fliegen. Denn dort wird am 21. Juni die nächste große Sonnenfinsternis zu bewundern sein.
Harald Zaun


















