Mona Lisa betrachten oder an Mona Lisa denken – aktiv sind die "Mona-Lisa-Hirnzellen"
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Einmal sehen ist besser als tausend mal davon gehört zu haben, sagt ein russisches Sprichwort. Denn danach, so könnte man fortfahren, kann man das betreffende Ding, die Person, die Sehenswürdigkeit immer wieder vor seinem geistigen Auge erscheinen lassen. Wissenschaftler der University of California in Los Angeles haben jetzt, wie "Nature" berichtet, herausgefunden, dass im Gehirn bei der Vorstellung im Geiste die gleichen Neuronen arbeiten wie beim realen Sehen.
"Unsere Studie zeigt, dass dieselben Gehirnzellen, die beim Anblick des Bildes der Mona Lisa feuern, dies auch tun, wenn man eine Person auffordert, sich das Bild der Mona Lisa im Geiste vorzustellen", erläutert der Neurochirurg und Hauptautor der Studie Itzhak Fried. Die Forscher haben für ihre Analyse die Aktivität von 276 einzelnen Neuronen während mehrerer Patientenuntersuchungen aufgezeichnet.
Dies war dadurch möglich, dass die neun Patienten an einer schweren Form von Epilepsie litten, weshalb ihnen feine Mikroelektroden ins Gehirn gepflanzt worden waren, die die Zentren ihrer Anfälle aufspüren sollten. Die Elektroden waren in jenen Regionen eingepflanzt, die für Gedächtnisleistungen und soziales Verhalten zuständig sind, und zeichneten Impulse einzelner Neuronen im mittleren Temporallappen auf, während die Patienten gebeten wurden, vorher angeschaute Bilder neu vor dem geistigen Auge abzurufen.
Die einzelnen Neuronen in den verschiedenen Hirnregionen, so zeigte sich, veränderten ihre Feuer-Raten jeweils in Abhängigkeit vom Reiz, den die Probanden sich gerade vorstellten. Nachdem den Versuchspersonen mehrmals eine Reihe von Bildern gezeigt worden war - Gesichter, Haushaltsgegenstände, Autos, Lebensmittel, Tiere und anderes - und die Patienten sich diese Bilder aus dem Gedächtnis zurückriefen, konnten die Forscher feststellen, dass die Feuer-Rate der Gehirnzellen beim bloßen gedanklichen Vorstellen fast genauso hoch war wie beim tatsächlichen Betrachten der Bilder. (Nature vom 16.11.00)
Doris Marszk

















