Forscher wollen von seltsamen Tieren lernen, wie man Spenderorgane konserviert
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Als in einem japanischen Museum Wasser an ein 120 Jahre altes Moos geriet, krabbelten aus dem welken Pflanzen kleine seltsame Wesen, sogenannte Bärtierchen. In den 70ern des letzten Jahrhunderts haben sich die Tiere offenbar mit einem Trick selbst konserviert und wurden wieder munter, als sie mit Wasser in Berührung kamen. Wie der britische "New Scientist" berichtet, planen Kunihiro Seki und seine Kollegen von der japanischen Kanagawa-Universität in Hiratsuka mit dem Trick der Bärtierchen für Transplantationen vorgesehene Spenderorgane zu konservieren. Bisher muß zum Beispiel ein Herz innerhalb von vier Stunden vom Spender zum Empfänger gelangen. Seki und seinen Kollegen ist es mit dem Bärtierchen-Trick bereits gelungen, Ratten-Herzen nach zehn Tagen Ruhe wieder zum Schlagen zu bringen. Vanessa Morgan, Vorsitzende der britischen "Transplant Co-ordinators Association" ist begeistert: "Das könnte zu geplanten, gut gewählten Operationen führen, anstelle von Noteingriffen." Wenn es gelänge, Spenderorgane längere Zeit unbeschädigt zu konservieren, könnten Organbanken angelegt werden, ähnlich den heutigen Blutbanken. Mit Hilfe der Banken könnte dann aus den zur Verfügung stehenden Organen das immunologisch günstigste Exemplar ausgewählt werden.
Der Trick der Bärtierchen besteht darin, mit einem bestimmten Zucker, der Trehalose, Zellmembranen beim Austrocknen zu stabilisieren. Bei starkem Wasserverlust bleiben die Tiere daher lebensfähig. Zellen von Säugetieren schädigt ein Wasserverlust hingegen so stark, daß sie absterben. Für eine Lebend-Konservierung eignet sich gezieltes Austrocknen daher normalerweise nicht. Seki und seine Kollegen wollten jedoch wissen, ob mit Hilfe von Trehalose auch Zellen höherer Tiere vor Schäden bewahrt werden können. Sie entnahmen daher Ratten Herzen und spülten die Organe zunächst in einer Trehalose-Lösung. Mit Kieselerde-Gel entzogen sie den Organen anschließend das Wasser. Dann tauchten sie die Herzen in Perfluorocarbon, eine biologisch inaktive Substanz, und gaben die so präparierten Organe in luftdichte Behälter, die bei 4 Grad Celsius aufbewahrt wurden. Nach zehn Tagen, nahmen die Forscher die Herzen aus den Behältern und brachten sie innerhalb einer halben Stunde wieder zum Schlagen. Messungen der elektrischen Aktivität der Herzen legen nahe, daß die Muskelzellen der Organe intakt geblieben sind.
Andreas Wawrzinek, New Scientist

















