Pheromone dienen Mäusen als Visitenkarte
Duftstoffe aktivieren Gehirn auf unverwechselbare Weise
So wie Menschen sich gegenseitig an ihren Gesichtern erkennen, identifizieren sich Mäuse offenbar mit Hilfe von Sexualduftstoffen. Die so genannten Pheromone eines Tieres aktivieren große Teile des Gehirns eines Artgenossen auf unverwechselbare Weise, berichten Hirnforscher im Wissenschaftsmagazin "Science" (14. Febr., Art. 21).
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Der Hirnforscher Lawrence Katz von der Duke-Universität in Durham (USA) hat zusammen mit Kollegen auf dem Kopf von Mäusen winzige Motoren befestigt, mit denen die Wissenschaftler Nadeln im Riechhirn der Tiere versenken konnten. Während die Mäuse mit anderen Tieren in Kontakt kamen, haben die Forscher mit Hilfe der Vorrichtung einzelne Nervenzellen angesteuert und deren elektrische Aktivität unter die Lupe genommen.
Zur Überraschung der Wissenschaftler reagierten die beobachteten Nervenzellen jedesmal, wenn den Versuchstieren ein neuer Artgenosse präsentiert wurde, völlig anders. Katz und seine Kollegen hatten eigentlich erwartet, dass zumindest ein Teil der Nervenzellen nur zwischen Weibchen und Männchen unterscheidet oder die Stellung des Artgenossen in der sozialen Hierarchie erkennt.
Tatsächlich war die Antwort der Nervenzellen aber so komplex, wie man es auch beim Menschen von Neuronen in dem Teil der Hirnrinde erwartet, der für die Erkennung von Gesichtern zuständig ist. Simple Muster im Netzwerk der aktiven Zellen, wie etwa zur Unterscheidung von Männchen und Weibchen, konnten die Hirnforscher nicht auffinden.
Außerdem nahmen die Wissenschaftler an, dass das Riechhirn der Tiere vor allem auf Gerüche des Hinterteils ihrer Artgenossen reagiert. Tatsächlich wurde das Riechhirn aber sehr viel stärker aktiv, wenn sich die Mäuse im Kopfbereich beschnupperten. Vermutlich senden dort Drüsen Duftstoffe aus, die noch unbekannt sind, sagt Katz.
Pheromone haben Forscher auch beim Menschen gefunden, konnten aber noch nicht deren Wirkung aufdecken. Die Auffassung, dass sie keine Bedeutung haben, vertritt heute kaum noch jemand. So weiß man mittlerweile etwa, dass beliebte Parfüms oftmals pheromonähnliche Substanzen enthalten oder zumindest Verbindungen, die die Wahrnehmung von Pheromonen unterstützen.
Andreas Wawrzinek

















