Forscher: Verunreinigte Nadeln förderten Aids-Verbreitung in Afrika
Kontroverse Untersuchung stellt in Frage, dass hauptsächlich ungeschützer Geschlechtsverkehr die Krankheit verbreitet hat
Kontaminierte Nadeln könnten für mindestens die Hälfte der AIDS-Fälle in Afrika verantwortlich sein. Das behauptet zumindest ein internationales Forscherteam nach einer umfangreichen Studie über die Verbreitung der Krankheit auf dem Kontinent. Demnach habe sich Aids mindestens ebenso stark durch das Gesundheitssystem wie über ungeschützten Geschlechtsverkehr ausgebreitet schreiben die Forscher im Fachblatt International Journal of STD & AIDS (Bd. 14, S. 148).
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Bislang haben Experten angenommen, dass sich etwa neunzig Prozent der HIV-Infizierten beim Sex ansteckten. Dies stellt die kontroverse Untersuchung in Frage. Die Forscher um David Gisselquist analysierten Daten aus ganz Afrika und schätzen, dass nur etwa ein Drittel der Aids-Infektionen tatsächlich auf Geschlechtsverkehr zurückzuführen sind.
Die Verbreitung des Virus über den Kontinent zeige einen starken Zusammenhang zum Gesundheitssystem, argumentieren der unabhängige Anthropologe aus Hershey (USA) und seine Kollegen. Die Untersuchungen der Wissenschaftler zeigen zum Beispiel, dass Länder mit einer guten medizinischen Versorgung wie Zimbabwe auch die höchsten Übertragungsraten von HIV haben.
Ein weiteres Argument: Es leben viele HIV-infizierte Kinder in Afrika, deren Mütter nicht infiziert sind. Sie konnten die Krankheit also nicht im Mutterleib bekommen haben. Doch diese Kinder hatten in ihrem Leben durchschnittlich fast doppelt so viele Injektionen wie gesunde Kinder erhalten, fanden die Wissenschaftler. Sie könnten sich daher über verunreinigte Nadeln infiziert haben, so die Vermutung der Forscher.
Zudem folge das Verbreitungsmuster von Aids nicht dem anderer Geschlechtskrankheiten, argumentieren Gisselquist und seine Kollegen. Und auch die Infektionsrate sei ein Hinweis auf die Ansteckungsgefahr über verunreinigte Nadeln: Aids verbreitete sich in Afrika überaus schnell, obwohl die Krankheit über den Geschlechtsverkehr schwerer zu übertragen ist als andere Geschlechtskrankheiten.
ddp/bdw - Cornelia Pfaff


















