Wissenschaftler testen die erste Gehirnprothese der Welt
Mikrochip soll Patienten mit Epilepsie oder Schlaganfällen helfen - Ethische Aspekte werden kritisch beurteilt
Kalifornische Wissenschaftler haben einen Mikrochip entwickelt, der die Funktionen des Hippocampus übernehmen kann – jene Hirnregion, die für die Speicherung neuer Erfahrungen im Gedächtnis verantwortlich ist. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist (Ausgabe vom 15. März).
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Der Siliziumchip könnte Menschen helfen, die durch Schlaganfälle, Epilepsie oder andere Erkrankungen Schäden am Hippocampus erlitten haben. Die Forscher von der University of Southern California in Los Angeles wählten für ihre Entwicklung diese Gehirnregion, da sie einer der strukturiertesten und am besten erforschten Teile des Gehirns ist und sich ihre Funktionen zudem relativ einfach testen lassen.
In zehnjähriger Arbeit erfasste die Arbeitsgruppe um Theodore Berger zunächst im Detail die Reaktionen verschiedener Regionen des Hippcampus auf elektrische Stimulation. Daraus entwickelten die Forscher ein mathematisches Modell, das die Funktionsweise des gesamten Hippocampus wiedergibt, und programmierten dieses auf einen Siliziumchip.
Beim Menschen soll der Chip auf der Schädeloberfläche angebracht und mit dem Gehirn durch zwei Elektrodenbündel verbunden werden: eines, das die elektrischen Signale des Gehirns an den Chip weiterleitet, und eines, das geeignete Impulse an das Gehirn zurückgibt.
Berger und seine Kollegen wollen den neu entwickelten Mikrochip zunächst an konservierten Gehirnen von Ratten testen. Anschließend soll er lebenden Ratten und später Affen eingesetzt werden, deren Hippocampus vorher außer Gefecht gesetzt wird. Um die Funktion der Prothese zu testen, sollen die Tiere anschließend verschiedene Gedächtnisaufgaben ausführen.
Selbst wenn sich das Implantat in diesen Versuchen als erfolgreich erweist, seien für die Anwendung beim Menschen zusätzlich auch ethische Aspekte zu berücksichtigen. So sei zum Beispiel unklar, ob man mit dem Mikrochip noch kontrollieren könne, woran man sich erinnert und woran nicht, kommentiert Bernard Williams, Philosophieprofessor an der University of Oxford (GB) im "New Scientist". Williams hält dies für bedenklich, denn Vergessen ermögliche es dem Menschen, schmerzhafte oder unangenehme Erfahrungen nicht erneut zu durchleben.
ddp/bdw - Christine Amrhein

















