Mikroben überstanden Schneeball-Erde unverändert
Forscher: Komplette Vereisung für 700 Millionen Jahren unwahrscheinlich
In der Zeit vor 750 bis vor etwa 543 Millionen Jahren suchten mehrere schwere Eiszeiten die Erde heim. Während einige Forscher bislang davon ausgingen, dass die ganze Erde inklusive der Ozeane während dieser "Sschneeball-Episoden" von einem Eispanzer bedeckt waren, fanden Frank Corsetti von der University of Southern California und Kollegen jetzt Hinweise darauf, dass die Meere zumindest in Äquatornähe eisfrei waren.
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Die Forscher um Corsetti berichten im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences (doi 10.1073/pnas.0730560100), dass sie erstmals einen Einblick in die biologische Vielfalt während der Mega-Eiszeiten erhielten. Sie untersuchten Sedimentgestein aus dem kalifornischen Death Valley, das etwa 700 bis 750 Millionen Jahre alt ist.
Das Gestein wurde vor, während und nach einer der Vereisungen in einem Flachmeer abgelagert und enthält zahlreiche versteinerte Mikroorganismen. Wie die Forscher schreiben, unterscheiden sich die Mikroben, die vor und nach der Eiszeit lebten, nicht voneinander. In sämtlichen Schichten fanden die Forscher nicht nur einfache Bakterien ohne Zellkern, sondern auch komplexere Einzeller, so genannte Eukaryoten.
Corsetti und seine Kollegen schließen daraus, dass die Frostperioden kein Massensterben auslösten. Die Verfechter der "harten" Schneeball-Hypothese glauben, dass einige Linien der Eukaryoten während der Eiszeiten und nachfolgenden Phasen heißen Treibhausklimas ausstarben und dass das Leben nur an wärmeren Zufluchtsorten, etwa in der Nähe von Vulkanen oder an heißen Tiefseequellen, bestehen konnte. Ihrer Meinung nach verursachte dieser Flaschenhals der Evolution die Explosion mehrzelligen Lebens im Erdzeitalter Kambrium, kurz nach dem Ende der Schneeball-Episoden.
Wie Corsetti und seine Kollegen schreiben, spricht einiges dafür, dass zumindest die tropischen Ozeane eisfrei waren. "Unsere Mikrofossilien stellen die Idee in Frage, dass die drastischen Klimaschwankungen ein Massensterben bei den Meereslebewesen auslösten", schreiben die Forscher. Sie räumen jedoch ein: "Es könnte auch sein, dass die Widerstandsfähigkeit des Lebens unterschätzt wird."
Ute Kehse

















