Forscher entdecken Krebsstammzellen in Gehirntumoren
Die Zellen könnten dafür verantwortlich sein, dass Behandlung der Geschwülste häufig fehlschlägt
In Gehirntumoren sind offenbar nicht alle Zellen gleich: Nur einige wenige Zellen steuern nach den Ergebnissen kanadischer Forscher das Wachstum des gesamten Tumors. Die Wissenschaftler fanden diese "Tumorstammzellen" sowohl in gutartigen als auch in bösartigen Hirntumoren. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Cancer Research" (Ausg. vom 15. September).
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Die Krebsstammzellen entstehen nach Ansicht von Peter Dirks und seinen Kollegen von der Universität Toronto durch Mutationen aus normalen Gehirnstammzellen. Sie unterscheiden sich von anderen Zellen des gleichen Tumors durch eine deutlich höhere Teilungsrate und eine sehr ausgeprägte Fähigkeit zur Selbsterneuerung. Außerdem sind die Krebsstammzellen genau wie andere Stammzellen noch nicht spezialisiert und können sich im Labor in verschiedene Zellarten umwandeln.
Die Existenz solcher Stammzellen könnte erklären, warum die Behandlung von Gehirntumoren so häufig fehlschlägt. Werden beispielsweise bei einer Strahlentherapie die Krebsstammzellen nicht abgetötet, kann der Tumor leicht nachwachsen. Auch für das Verständnis, wann und warum sich Tochtergeschwülste, so genannte Metastasen, bilden, liefern die Ergebnisse der Wissenschaftler neue Erkenntnisse: Lösen sich Nicht-Stammzellen vom Tumor, werden sie zwar mit dem Blut in andere Gewebe transportiert, können dort aber nicht wachsen. Gehören die abgetrennten Zellen jedoch zu den Stammzellen, setzen sie sich in entferntem Gewebe fest und bilden dort einen neuen Tumor.
Gegenwärtig untersuchen Peter Dirks und sein Team die genetischen Besonderheiten der Krebsstammzellen. Die Kenntnis der entscheidenden Gene könnte möglicherweise in Zukunft zur Entwicklung neuer Therapieansätze für Gehirntumoren führen, sagt Dirks. Weitere Untersuchungen sollen klären, ob mithilfe der Stammzellen im Labor Zellkulturen oder sogar Tiermodelle angelegt werden können, an denen die Forscher direkt Tumoren einzelner Patienten untersuchen und so möglicherweise individuelle Therapien entwickeln können.
ddp/bdw – Ilka Lehnen-Beyel

















