Forscher entdecken Blinde Passagiere an Bord von Wasservögeln
Kleinstlebewesen reisen mit den Zugvögeln von See zu See
Winzige Süßwassertiere reisen an Bord von Wasservögeln von Teich zu Teich, und zwar als Blinde Passagiere in deren Verdauungssystem. Auf diese Weise können beispielsweise Wasserflöhe neue Lebensräume erschließen und sogar sehr große Distanzen überwinden, haben Forscher aus Spanien und den Niederlanden beobachtet. Darüber berichtet der Online-Dienst des Fachmagazins "Science".
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Schon lange fragen sich Biologen, wie im Süßwasser beheimatete Kleinstlebewesen es schaffen, sich über die Grenzen von Seen und Teichen hinaus verbreiten zu können. Theorien, dass sie in den Eingeweiden von Zugvögeln mitreisen, wurden von Ökologen bislang verworfen. Zu Beginn der Wandersaison befinden sich die meisten dieser Kleinsttiere noch in Ruhestadien im Schlick am Grund der Gewässer und damit nicht in unmittelbarer Reichweite futtersuchender Wasservögel, dachten die Experten.
Jordi Figuerola von der Doñana-Biostation im spanischen Sevilla und seine Kollegen konnten nun beweisen, dass die Vögel doch Blinde Passagiere mit an Bord nehmen. In den Doñana-Feuchtgebieten, die den reisenden Tieren im Süden Spaniens einen wichtigen Zwischenstop bieten, belauerten die Wissenschaftler Scharen von Zugvögeln. Wenn eine Gruppe wieder abgeflogen war, sammelten die Forscher die Hinterlassenschaften der Vögel ein. Bei etwa zwei Drittel der Kot-Proben fanden sie Hunderte von Wasserfloh-Eiern, Dauerstadien von Moostierchen und sogar empfindliche Eier von Wasserkäfern.
Die Wasservögel schlucken die Eier und Ruhestadien der wirbellosen Kleinstlebewesen regelmäßig, wenn sie im Schlick eines Sees herumwühlen, vermutet Figuerola. Da beispielsweise eine Ente bis zu 24 Stunden für die vollständige Verdauung braucht, können die winzigen Süßwasserbewohner als Frachtgut im Darm bis zu 1.300 Kilometer zurücklegen – die Strecke, die eine Ente in dieser Zeit schafft.
ddp/bdw – Cornelia Pfaff

















