Beim Essen wählerische Kinder schützen sich selbst
Scheu vor unbekannten Früchten und Gemüse könnte unsere Vorfahren vor Vergiftungen bewahrt haben
Wenn Kinder beim Essen wählerisch sind, müssen sie nicht unbedingt zu sehr mit Süßigkeiten oder anderen Leckereien verwöhnt worden sein. Vielmehr könnte dahinter auch ein in den Jahrtausenden der menschlichen Entwicklungsgeschichte entstandener Schutzmechanismus stehen: Kinder zwischen zwei und sechs Jahren verweigern überdurchschnittlich oft Nahrungsmittel, die im Extremfall Krankheiten auslösen können oder potenziell giftig sind. Das berichten britische Wissenschaftler im Fachmagazin Appetite (Bd. 41, S. 205).
ANZEIGE
"Suppenkaspern" mögen die Ergebnisse der Wissenschaftler zur nachträglichen Rechtfertigung dienen: Die Forscher um Lucy Cooke vom University College in London hatten insgesamt 564 Mütter nach den Essgewohnheiten ihrer zwei- bis sechsjährigen Kinder gefragt und dabei gezeigt, dass Gemüse, Früchte und Fleisch weitaus häufiger abgelehnt werden als süße oder fetthaltige Speisen oder stärkehaltige Nahrungsmittel wie Kartoffeln oder Nudeln.
Diese Neophobie, die Scheu vor unbekannten Früchten und Gemüse, könnte unsere Vorfahren vor Pflanzengiften geschützt haben, vermuten die Forscher. Fleisch hingegen kann Bakterien enthalten oder verdorben und damit giftig sein, weshalb für unsere Vorfahren eine skeptische Prüfung lebenswichtig war. Bei Kindern könne die Scheu vor unbekannten Lebensmitteln jedoch oft abgebaut werden, merken die Forscher an. Ein guter Weg dafür sei, sie regelmäßig damit in Kontakt zu bringen. So könne eine einseitige Ernährung im Erwachsenenalter vermieden werden.
ddp/bdw – Ulrich Dewald

















