Warum manche Kinder Junge und Mädchen zugleich sind
Fehltransport bestimmter Eiweißstoffe lässt Männer mit weiblichen Geschlechtsorganen entstehen
Ein australisches Forscherteam hat das molekulare Geheimnis so genannter intersexueller Männer aufgedeckt. Die Schlüsselrolle spielt dabei der Transport eines bestimmten Eiweißstoffes in den Zellkern: Ist er gestört, entwickeln sich weibliche Geschlechts- oder Fortpflanzungsorgane bei genetisch eindeutig männlichen Kindern. Das berichteten die Wissenschaftler auf dem Jahrestreffen der Amerikanischen Gesellschaft für Zellbiologie in San Francisco.
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Genetisch gesehen ist die Geschlechtsbestimmung ganz einfach: Frauen haben als 23. Chromosomenpaar zwei X-Chromosomen, Männer haben ein X- und ein Y-Chromosom. Doch hin und wieder werden so genannte intersexuelle Kinder geboren, die trotz eines XY-Chromosomenpaares eine Gebärmutter, Eierstöcke oder andere weibliche Geschlechtsorgane besitzen. Was genau während der Entwicklung solcher intersexueller Embryonen schief geht, gab Wissenschaftlern lange Zeit Rätsel auf.
Offenbar ist für eine normale Entwicklung ein Protein mit Namen SRY notwendig, das zu einem bestimmten Zeitpunkt der Embryonalentwicklung in den Zellkern gelangen muss, schließen David Jans von der Monash-Universität in Clayton (Australien) und seine Kollegen aus Parkville, Melbourne und Canberra aus ihren Ergebnissen. Sie hatten vier intersexuelle Männer untersucht und bei allen veränderte SRY-Proteine gefunden. Diese veränderten Eiweiße konnten entweder nicht an die Transportmoleküle andocken, die sie in den Kern transportieren sollten, oder waren nicht fähig, an die Erbsubstanz zu binden und so wichtige Gene anzuschalten.
Intersexualität ist nach Angabe der Forscher gar nicht so selten: Sie schätzen, dass in Australien eines von viertausend Kindern mit den falschen Geschlechtsorganen auf die Welt kommt. Nicht bei allen diesen Kindern wird die Intersexualität sofort erkannt, was besonders deshalb problematisch ist, weil sie besonders häufig an Keimdrüsenkrebs erkranken. Die Entdeckung des Mechanismus könnte die Entwicklung eines Tests ermöglichen, mit dem schon beim Embryo eine Intersexualität festgestellt und so die Gefahr einer unerkannten Krebserkrankung vermindert werden kann.
ddp/bdw – Ilka Lehnen-Beyel

















