Nackt ohne Schatten
Forscher: Menschen empfinden ihren Schatten als Teil des Körpers
Kein Wunder, dass sich Peter Pan ohne seinen Schatten nicht wohlfühlte: Der Schatten ist ein wichtiger Teil des unbewussten geistigen Bildes eines Menschen von sich und seinem Körper. Das folgern italienische Forscher aus den Ergebnissen verschiedener Tests, in denen der Schatten der eigenen Hand bei Testpersonen einen starken Einfluss auf die Wahrnehmung von Berührungen hatte. Die Psychologen beschreiben ihre Versuche in der Fachzeitschrift Nature Neuroscience (Online-Vorabveröffentlichung vom 14. Dezember).
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Die Wahrnehmung des eigenen Körpers ist stark von Sinneseindrücken geprägt, wobei der Sehsinn eine besonders wichtige Rolle spielt. Wie umfassend dieser Sinn jedoch mit der Körperwahrnehmung verknüpft ist, zeigten Francesco Pavani von der Universität in Rovereto (Italien) und Umberto Castiello von der Königlichen Holloway-Universität in London mit Tests an zehn gesunden Probanden.
Die Testteilnehmer sollten am Anfang lediglich entscheiden, ob sie eine Berührung an ihrem Daumen oder an ihrem Zeigefinger spürten. Bei weiteren Tests ließen die Forscher gleichzeitig kleine Lichter blinken. Befanden sich diese Lämpchen dicht neben den Fingern der Probanden, konnten diese die Berührung nur dann problemlos dem richtigen Finger zuordnen, wenn Berührung und Lichtblitz am gleichen Finger erfolgten. Blitze das Licht dagegen neben dem Daumen auf, während der Zeigefinger berührt wurde, reagierten die Probanden nur verzögert.
Diese Verzögerung trat nicht auf, wenn die Lämpchen etwas entfernt von der Hand angebracht waren, da die Testteilnehmer dann die Lichtblitze nicht mit ihrem Körper in Verbindung brachten. Das änderte sich jedoch, wenn der Schatten der Hand auf die Fläche zwischen Hand und Lämpchen fiel. Dadurch wurde der Blick der Probanden nämlich auf die Lämpchen gelenkt und es trat überraschenderweise die gleiche Reaktionsverzögerung auf wie bei der direkten Nähe zwischen Hand und Lichtern.
Der verzögernde Effekt zeigte sich auch nur dann, wenn der Schatten die Form einer Hand hatte und definitiv als Schatten zu erkennen war: Weder ein anders geformter Schatten noch eine handförmige Linie beeinflussten die Reaktion der Probanden. Das zeige eindeutig, dass das geistige Bild des eigenen Körpers den Schatten mit einschließe, schreiben die Forscher. Der Schatten sei wahrscheinlich auch für die Abschätzung von Abständen eigener Körperteile zu Objekten sehr wichtig und damit notwendig für Bewegungen im Raum.
ddp/bdw – Ilka Lehnen-Beyel

















