Gleiches Programm: Wundheilung und Krebs
Neue Studie bestätigt Bild von Krebs als niemals heilender Wunde
Ein Krebstumor ähnelt einer heilenden Verletzung: Beiden liegt das gleiche genetische Programm zugrunde. Amerikanische Wissenschaftler entdeckten das besondere Genaktivitätsmuster sowohl bei Zellen im Labor, bei denen sie die Bedingungen der Wundheilung simuliert hatten, als auch bei aggressiven Krebszellen. Die Forscher beschreiben ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Public Library of Science: Biology (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1371/journal.pbio.0020007).
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Schon häufiger hatten Wissenschaftler die Ausbreitung und Metastasenbildung bei Krebs mit den Vorgängen verglichen, die durch eine Verletzung ausgelöst werden. Genau wie bei Krebs beginnen sich nämlich auch bei der Wundheilung fertige, spezialisierte Zellen schnell und häufig zu teilen und dringen dabei in das umliegende Bindegewebe ein. Andere Zellarten lösen sich von ihrem Zellverband und beginnen zu wandern. Zusätzlich bilden sich neue Blutgefäße.
Diese Ähnlichkeiten sind kein Zufall, entdeckten nun Howard Chang und seine Kollegen von der Stanford-Universität in Kalifornien: Die gleichen Gene, die bei der Wundheilung eine wichtige Rolle spielen, sind auch in vielen Tumorzellen aktiv. Dieses genetische Programm bestimmt offensichtlich, wie aggressiv ein Tumor ist, denn genau die Krebszellen, bei denen die Forscher das genetische Wundheilungsmuster nachweisen konnten, bildeten am häufigsten Metastasen. Dazu gehörten neben Prostata- und Lebertumoren auch bestimmte Arten von Brust-, Lungen- und Magenkrebs.
Das Aktivitätsmuster ist bereits in sehr frühen Stadien einer Krebserkrankung nachweisbar und verändert sich auch während der Therapie nicht. Ein genetischer Test könnte daher in Zukunft helfen, das Risiko einer Metastasenbildung schon sehr früh abzuschätzen. Ob jedoch die Aktivierung der entsprechenden Gene durch vom Tumor abgegebene Signalstoffe erfolgt oder ob sie eine Folge der Verletzung des umliegenden Gewebes durch das Tumorwachstum ist, können die Wissenschaftler noch nicht sagen. Sie hoffen aber, mit ihren Ergebnisse zur Entwicklung einer wirkungsvolleren Krebstherapie beitragen zu können.
ddp/bdw – Ilka Lehnen-Beyel

















