Die letzten werden die ersten sein
Dreizehenmöwen suchen sich gezielt die frischesten Spermien ihres Partners aus
Dreizehenmöwenweibchen wollen für ihre Nachkommen nur das Beste: Damit ihre Eier mit möglichst frischem Sperma ihres ständigen Lebensgefährten befruchtet werden, stoßen sie den Samen nach der Paarung aus, wenn der Befruchtungszeitpunkt noch nicht erreicht ist. Älteres Sperma hat nämlich schlechtere Qualität und führt häufig zu nicht lebensfähigen Embryonen, entdeckte ein französisch-österreichisches Forscherteam. Die Wissenschaftler beschreiben ihre Beobachtungen in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society: Biology Letters (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2003.0142).
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Das Phänomen, dass Weibchen unerwünschtes Sperma wieder ausstoßen, kennen Biologen von einigen Insektenarten, bestimmten Vögeln und auch einigen Säugetieren. Bislang wurde dieses Verhalten jedoch nur dann beobachtet, wenn sich ein Weibchen mit mehreren Männchen gepaart hatte und sich erst anschließend für den passenden Vater ihres Nachwuchses entschied: Diese Weibchen behielten jeweils nur den Samen mit der höchsten Qualität und stießen das andere Sperma wieder aus. Dreizehenmöwen sind jedoch strikt monogam und auch sehr treu, daher kann bei ihnen die Wahl des besten Partners nicht der entscheidende Grund für den Spermaausstoß sein.
Bei der Beobachtung einer großen Gruppe von Dreizehenmöwen in Frankreich entdeckten Richard Wagner vom Konrad-Lorenz-Insitut in Wien und seine Kollegen aus Paris das merkwürdige Verhalten der Möwendamen: Etwa 90 Sekunden nach der Paarung schießen die Weibchen den Samen aus ihrer Kloake mit hohem Druck über den Rand des Nestes. Das geschieht umso häufiger, je früher die Paarung erfolgt. Erst etwa zwei Wochen vor der Eiablage, wenn ihre Fruchtbarkeit den Höhepunkt erreicht, hören die Weibchen damit auf und behalten den Samen in ihrem Körper. Weibchen, die den Spermaausstoß seltener praktizierten, haben außerdem weniger und kleinere Nachkommen als die anderen.
Vermutlich zersetze sich das Sperma im Körper und verliere dabei an Qualität, wenn es zu lange gespeichert werden muss, schreiben die Forscher. Warum die Möwenweibchen ihren Partnern die Kopulationen vor dem Fruchtbarkeitshöhepunkt überhaupt erlauben, können die Wissenschaftler dagegen noch nicht genau erklären. Sie vermuten jedoch, die Paarungen könnten die Männchen animieren, immer neues Sperma zu produzieren und so ebenfalls die Frische der Samenzellen zu erhöhen. Möglicherweise soll der Sex jedoch auch Spannungen innerhalb der Beziehung abbauen, denn die Weibchen achten penibel darauf, dass die Männchen den Samenausstoß nicht bemerken, schreiben Wagner und Kollegen.
ddp/bdw – Ilka Lehnen-Beyel

















