Genetische Leine hält Wachhunde des Immunsystems ruhig
Aktivität der Abwehrzellen muss ständig unterdrückt werden, um Autoimmunreaktionen zu vermeiden
Einige Zellen des Immunsystems sind wie scharfe Wachhunde: Sie müssen fest an der Leine gehalten werden, damit sie nicht die Hausbewohner beißen. Dringen jedoch Fremde in das bewachte Gebiet ein, werden sie losgelassen und machen mit den Eindringlingen kurzen Prozess. Amerikanische Forscher haben jetzt die genetische Leine entdeckt, mit der der Organismus angriffslustige Immunzellen zurückhält. Fehler in solchen genetischen Leinen könnten der Grund für Autoimmunerkrankungen wie Allergien und Diabetes sein, vermuten die Wissenschaftler. Sie beschreiben ihre Entdeckung in der Fachzeitschrift Science (Bd. 303, S. 1017).
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Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, die Immunzellen seien völlig inaktiv, wenn sie nicht gerade eindringende Krankheitserreger abwehren. Die Ergebnisse von Stanford Peng und seinen Kollegen von der Universität von Washington in St. Louis deuten jedoch auf das Gegenteil hin: Offensichtlich müssen bestimmte Gene extra angeschaltet werden, um die Aktivität der Abwehrzellen zu dämpfen. Fehlen diese Gene oder sind ihre Informationen fehlerhaft, richten sich die Immunzellen auch gegen das eigene Körpergewebe und rufen damit Autoimmunerkrankungen hervor.
Die Forscher hatten bei Mäusen mit der Autoimmunkrankheit Lupus erythematodes festgestellt, dass ein Gen namens Foxj1 viel weniger aktiv war als bei gesunden Artgenossen. Schalteten die Wissenschaftler das Gen auch bei gesunden Mäusen aus, entwickelten diese ebenfalls die typischen Lupus-Symptome. Wahrscheinlich unterdrückt das Protein, für welches das Foxj1-Gen den Bauplan enthält, bei gesunden Mäusen die Bildung eines Entzündungsfaktors, vermuten Peng und Kollegen. Fehlt es, wird die Produktion dieses Entzündungsfaktors angeworfen und damit wiederum das Immunsystem aktiviert.
Sollten sich die Ergebnisse auch beim Menschen bestätigen, könnten bessere Therapien gegen Diabetes, Multiple Sklerose und andere Autoimmunstörungen entwickelt werden, hoffen die Forscher. Peng gibt jedoch zu bedenken, dass wahrscheinlich nicht ein fehlerhaftes Regulatorgen alleine eine Krankheit verursacht, sondern dass erst das Zusammenwirken mehrerer Fehler die zum Teil schweren Autoimmunsyndrome hervorruft.
ddp/bdw – Ilka Lehnen-Beyel

















