Entlassungen machen auch die verbliebenen Mitarbeiter krank
Sorge um den Arbeitsplatz erhöht Herzinfarktrisiko
Wenn sich Firmen durch Entlassungen gesund schrumpfen, kann das die verbliebenen Mitarbeiter krank machen. Dieses Fazit ziehen finnische Forscher aus einer Studie, in der sie den Gesundheitszustand von mehr als 22.000 Angestellten nach einer großen Entlassungswelle mehrere Jahre lang verfolgt hatten. Nach einer starken Verringerung des Personalbestands verdoppelte sich bei den verbliebenen Mitarbeitern das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Die Wissenschaftler stellen ihre Studie in der Fachzeitschrift British Medical Journal vor (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1136/bmj.37973.496262.0D).
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Während einer starken Rezession in den Jahren 1991 bis 1993 stieg in Finnland die Arbeitslosenquote von etwa 6 auf fast 17 Prozent. Viele Firmen und auch die Stadtverwaltungen entließen in dieser Zeit ein Fünftel oder mehr ihrer Angestellten. Ein solch starker Umbruch beeinflusst auch den Gesundheitszustand der nicht-entlassenen Beschäftigten dieser Firmen, entdeckten Jussi Vahtera und seine Kollegen von der Universität von Tampere. Die Wissenschaftler hatten die medizinischen Berichte von 22.430 Verwaltungsangestellten ausgewertet und den Gesundheitszustand der verbliebenen Mitarbeiter vor und nach einer großen Entlassungswelle verglichen.
Angestellte mit unbefristeten Verträgen waren nach der Entlassungswelle deutlich häufiger krank als vorher. Bei Mitarbeitern in befristeten Arbeitsverhältnissen konnten die Forscher dagegen keinen solchen Zusammenhang feststellen. In beiden Gruppen verfünffachte sich das Risiko für einen tödlichen Herzinfarkt oder Schlaganfall in den ersten vier Jahren nach den Entlassungen. Über die gesamte Untersuchungszeit war es immer noch doppelt so hoch wie bei Mitarbeitern, die keine Entlassungswelle miterlebt hatten.
Die Wissenschaftler vermuten, dass sowohl die höheren Anforderungen nach einer Verringerung des Personals als auch die Angst vor der eigenen Entlassung die verbliebenen Angestellten extrem stark unter Stress setzten. Dadurch hätten sich vorhandene Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschlimmert und es seien neue entstanden, schreiben Vahtera und seine Kollegen. Im Gegensatz zu fest angestellten Kollegen hätten sich Angestellte mit befristeten Verträgen aus Angst vor der Entlassung nicht leisten können, bei Krankheit zu Hause zu bleiben.
ddp/bdw – Ilka Lehnen-Beyel


















