Kohlendioxid gegen kosmische Strahlung: 1 : 0
Forscherin: Das Treibhausgas hat das Klima während der vergangenen 500 Millionen Jahre stärker beeinflusst als Teilchen aus dem All
Das Treibhausgas Kohlendioxid ist schon seit Urzeiten ein wichtiger Klimamotor. Das belegt eine Analyse von Dana Royer von der Pennsylvania State University und Kollegen, die die Forscher in der Zeitschrift der Geological Society of America, GSA Today (Bd. 14, Nr. 3), vorstellen.
ANZEIGE
Damit widersprechen die Forscher um Royer einer umstrittenen Studie des Geologen Jan Veizer von der Ruhr-Universität in Bochum und des Astrophysikers Nir Shaviv von der Hebrew University of Jerusalem. Im vergangenen Jahr hatten die beiden behauptet, nicht Kohlendioxid, sondern die kosmische Strahlung, die im Verlauf der Wanderung des Sonnensystems um das Zentrum der Milchstraße schwankt, sei der stärkste Motor für das Erdklima.
Die Forscher hatten Daten vorgelegt, denen zufolge die Erde immer dann von Eiszeitaltern heimgesucht wurde, wenn das Sonnensystem einen Spiralarm der Milchstraße durchquerte und dabei verstärkt von kosmischen Teilchen bombardiert wurde. Die energiereichen Partikel begünstigten Veizers und Shavivs Theorie zufolge die Bildung von Wolken. Zwischen den Temperaturen und der Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre bestand ihrer Analyse zufolge kein Zusammenhang.
Royer und ihre Kollegen trugen jetzt Daten zusammen, um den Verlauf der Kohlendioxid-Konzentration und der Temperaturen auf der Erde während der vergangenen 500 Millionen Jahre zu rekonstruieren. Die CO2-Konzentration ermittelten sie zum Beispiel aus der Zusammensetzung von Kalk-Sedimenten, aus der Struktur versteinerter Blätter und der chemischen Zusammensetzung von Fossilien. Den Temperaturverlauf rekonstruierten sie mit Hilfe direkter Klimazeugen, etwa Gletscherablagerungen.
Um den CO2-Gehalt der Luft zu berechnen, entwickelten die Forscher ein neues Modell, in dem auch der pH-Wert der Meere und die Oberflächentemperaturen des Wassers berücksichtigt wurden. Ihr Ergebnis: CO2-Gehalt und Temperatur verliefen im Gleichschritt. CO2 sei daher ein wichtiger Klimafaktor, wohingegen die kosmische Strahlung höchstens eine untergeordnete Rolle gespielt haben könne.
Ute Kehse

















