Antikörper bremst Nervenschäden nach einer akuten Rückenverletzung
Abfangen eines Botenproteins für Zellselbstmord verbessert Heilungschancen bei Mäusen
Deutsche Forscher haben einen neuen Ansatz entdeckt, mit dem in Zukunft möglicherweise Lähmungen nach akuten Rückenmarksverletzungen behandelt werden können: Durch das Abfangen eines Botenstoffs, der von den verletzten Zellen produziert wird, verhindern sie die Zerstörung benachbarter Nervenzellen – unbehandelt eine direkte Folge der Verletzung. Dadurch gelang es ihnen bereits, bei Mäusen die Bewegungsfähigkeit nach einer Rückenmarksdurchtrennung wiederherzustellen. Das berichten Ana Martin-Villalba und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift Nature Medicine (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nm1007).
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Die Folgen einer Verletzung der Nerven im Rückenmark hängen nicht nur davon ab, wie schlimm die eigentliche Nervenschädigung ist, sondern auch davon, wie viele Zellen anschließend als Folge dieser Verletzung absterben. Die verwundeten Nervenzellen produzieren nämlich direkt nach der Verletzung ein bestimmtes Boteneiweiß, das benachbarte Zellen dazu bringen kann, Selbstmord zu begehen. Das entdeckten die Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg bei Mäusen, deren Rückenmark sie durchtrennt hatten. Mithilfe eines Antikörpers, der sich ganz speziell und ausschließlich an den Botenstoff anlagert, gelang es den Forschern, diesen Todes-Kurier aus dem Verkehr zu ziehen.
Die Folge: Die verletzten Mäuse erholten sich und erlangten einen großen Teil ihrer Bewegungsfähigkeit zurück. Ihre Artgenossen, die nur mit einer Kontrollsubstanz behandelt worden waren, blieben dagegen weiterhin gelähmt. Eine Untersuchung des Rückenmarks der Nager zeigte den Wissenschaftlern, dass sich nach der Behandlung tatsächlich neue Nervenverbindungen gebildet hatten. Da sowohl die Folgen als auch die Behandlung von Rückenmarksverletzungen sehr komplex sind, könne der neue Ansatz nicht als Allheilmittel betrachtet werden, schreiben die Forscher. Möglicherweise könne er jedoch mit anderen Methoden kombiniert werden und so Patienten mit Lähmungen helfen, ihre Bewegungsfähigkeit zurück zu erhalten.
ddp/bdw – Ilka Lehnen-Beyel

















