Virus gegen Raupenplage
Feinde aus der Heimat bekämpfen einen europäischen Falter in nordamerikanischen Wäldern
Statt mit Pestiziden bekämpfen amerikanische Biologen einen schädlichen Schmetterling mit virenverseuchtem Sirup. Die nur für den Falter tödlichen Krankheitserreger werden mit der Siruplösung auf die Bäume gesprüht, die durch die Schmetterlingsraupen vom Kahlfraß bedroht sind. Georg Boettner und seine Kollegen von der Universität von Massachusetts in Amherst hatten dazu spezielle Viren aus Europa importiert, berichtet der Online-Dienst des Wissenschaftsmagazins "Nature".
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Der Weißdornspinner (Euproctis chrysorrhoea) wurde 1897 mit Zierrosen nach Nordamerika eingeschleppt. Dort entwickelte sich der europäische Einwanderer zu einer echten Plage, denn gegen die üblichen Feinde – etwa hungrige Vögel – sind die Raupen durch giftige Haare gut geschützt. Die amerikanischen Forscher setzen deshalb genau den Organismus gegen die Schmetterlingsraupen ein, der sie auch in Europa in Schach hält – ein Virus.
Das so genannte Baculovirus konnte von den Wissenschaftlern nur unter widrigen Umständen gewonnen werden. Um an den Krankheitserreger zu gelangen, mussten die Forscher die Raupen in Schutzanzügen von Büschen und Bäumen sammeln. Nur so waren sie gegen das Gift des Weißdornspinners geschützt, das bei Menschen zu einem starkem Hautausschlag und Atembeschwerden führt. Die Forscher gewannen die Viren aus ihren Wirten, fügten die Erreger einer Siruplösung bei und sprühten diese über die bedrohten Bäume. Innerhalb weniger Wochen wurden 50 bis 80 Prozent der Schmetterlingsraupen getötet.
Ökologische Bedenken haben Boettner und seine Kollegen wegen der Freisetzung des Virus in den nordamerikanischen Wäldern nicht. Der Erreger konnte im Labor nahe verwandte Schmetterlinge nicht infizieren und wird nach Ansicht der Forscher erst im Darm der Weißdornspinnerraupen durch bestimmte Nahrungsbestandteile aktiviert. Da es wahrscheinlich für jedes Insekt ein solch spezifisches Virus gibt, sehen die amerikanischen Zoologen in ihrer Methode einen vielversprechenden neuen Weg in der biologischen Schädlingsbekämpfung.
ddp/bdw – Thomas Kappe

















