Teilchenphysiker retten das musikalische Erbe der Menschheit
Was kann man tun, wenn eine Schallplatte so zerbrechlich ist, dass die Nadel des Plattenspielers ihr den Rest geben würde?
In der Library of Congress, dem "Gedächtnis Amerikas", lagern 128 Millionen Objekte, darunter viele Tonträger aus dem vorigen Jahrhundert. Im Auftrag der Library haben Teilchenphysiker des Berkeley Lab jetzt eine Methode entwickelt, mit der sie die auf einer alten Schallplatte gespeicherte Musik wiederherstellen können, ohne die Platte weiter zu beschädigen.
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Die Physiker verwenden dabei zwei verschiedene Verfahren, die in der Teilchenphysik perfektioniert wurden. Zum einen benutzen sie ein optisches Messsystem, das für die Inspektion und die exakte Vermessung von Teilchendetektoren entwickelt wurde. Die Physiker Carl Haber und Vitaliy Fadeyev nutzen dieses System jetzt dazu, den Inhalt der Schallplattenrillen exakt zu kartographieren.
Zum anderen wenden sie auf die so erhaltene "Karte" der Rillen Bilderkennungsverfahren an, die für die Auswertung der Bilder aus Nebelkammern eingesetzt werden. Nebelkammern sind mit Wasserdampf gefüllte Gefäße, durch die physikalische Teilchen geschickt werden. Die ansonsten unsichtbaren Teilchen hinterlassen auf ihrem Weg durch die Kammern Nebeltropfen. Dadurch können ihre Flugbahnen von Physikern ausgewertet werden.
Haber und Fadeyev nutzen die Bilderkennungsverfahren zur Rauschunterdrückung, also dazu, Kratzer und Verschmutzungen in den Schallplattenrillen von den Erhebungen zu unterscheiden, die die Musikinformation tragen. Die Fehler werden dann von den Computerprogrammen weggerechnet.
Im letzten Schritt rekonstruiert eine Software den Weg, den die Schallplattennadel durch das "Rillengebirge" nehmen würde. Die Bewegung der Nadel kann dann in ein digitales Musikformat übersetzt werden. Das Ergebnis ist eine glasklare Musikaufnahme, der man ihr Alter nicht anhört.
Klangbeispiele zur Arbeit von Haber und Fadeyev finden Sie hier.
Axel Tillemans

















