Multitasking? Nur bei Teamarbeit im Hühnerhirn
Küken können nur dann mehrere Dinge gleichzeitig, wenn ihre beiden Hirnhälften zusammenarbeiten
Küken können zwei Aufgaben gleichzeitig lösen, wenn sich ihre beiden Gehirnhälften die Arbeit teilen. Beschäftigt sich dagegen das gesamte Gehirn mit zwei unterschiedlichen Aufgaben, dauert deren Bewältigung deutlich länger. Das fanden Wissenschaftler der Universität von New England in Armidale (Australien) heraus. Sie veröffentlichen ihre Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society: Biology Letters (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2004.02).
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Die meisten Wirbeltiere besitzen ein zweiteiliges Gehirn. Die linke Hirnhälfte erhält ihre Informationen vom rechten Auge und ist auf die Analyse und Lösung von Denkaufgaben ausgerichtet. Informationen des linken Auges werden in der rechten Hälfte verarbeitet. Diese Hälfte dient der schnellen Reaktion auf ein plötzlich auftretendes Ereignis. Kommt ein Raubtier von rechts, wird die Information von der langsameren Gehirnhälfte verarbeitet. Diese Arbeitsteilung des Gehirns ist in dem Fall ein Nachteil für das Tier. Doch die Spezialisierung der Hirnhälften bietet durchaus auch Vorteile, wie die Forscher um Lesley J. Rogers herausfanden.
Wie ein Hühnerküken sein Gehirn benutzt, entscheidet sich bereits im Ei: Wird das Ei drei Tage vor dem Schlüpfen für kurze Zeit Licht ausgesetzt, teilen sich später die beiden Gehirnhälften ihre Arbeit auf. Liegt das Ei im Dunkeln, arbeiten beide Gehirnhälften später gemeinsam an der Lösung einer Aufgabe. In ihren Experimenten ließen die Wissenschaftler Küken nach Körnern picken, die in einem Haufen kleiner Kieselsteine versteckt waren. Die Küken, die unter Lichteinfluss ausgebrütet wurden, lernten recht schnell, die Kieselsteine von den Körnern zu unterscheiden. Die Küken, die sich im Dunkeln entwickelt hatten, verbesserten ihre Fehlerquote dagegen erst nach längerem Training.
Anschließend wurde eine Attrappe eines Raubvogel über die Köpfe der Küken gezogen. Damit waren die Gehirne der im Dunkeln ausgebrüteten Küken überfordert: Sie reagierten langsamer als die anderen Küken auf die vermeintliche Bedrohung und machten gleichzeitig wieder mehr Fehler bei den Pickversuchen. Die Küken, deren Gehirn zur Arbeitsteilung fähig war, lernten dagegen recht schnell, beide Aufgaben gleichzeitig zu lösen. Mit dem linken Auge inspizierten sie den Himmel, um bei einer Bedrohung schnell flüchten zu können, mit dem rechten Auge untersuchten sie den Boden gezielt nach Körnern.
Bei den Vögeln gibt es nur eine schwache Verbindung zwischen beiden Hirnregionen. Dagegen findet beim Menschen durch einen Verbindungsstrang zwischen den Hirnhälften, dem so genannten Corpus Callosum, ein ausgiebiger Austausch der Informationen zwischen den Gehirnhälften statt.
ddp/bdw – Oliver Schmid

















