Die sichtbare Wirkung des Glaubens
Forscher beobachten Placebo-Effekt im Hirn von Parkinson-Patienten
Eine einfache Salzlösung kann bei Parkinson-Patienten die gleiche Wirkung hervorrufen wie die Injektion eines hochwirksamen Medikaments: Sie vermindert die Aktivität eines bestimmten Gehirnbereichs und löst so die für die Nervenkrankheit typische Muskelstarre – wenn der Patient von der Wirkung überzeugt ist. Italienischen Wissenschaftlern ist es gelungen, diesen Placebo-Effekt mithilfe winziger Elektroden direkt im Gehirn von Parkinson-Patienten zu beobachten. Das berichten Fabrizio Benedetti von der Universität Turin und seine Kollegen in der Fachzeitschrift Nature Neuroscience (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nn1250).
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Der so genannte Nucleus subthalamicus (STN) gehört zu dem Gehirnsystem, das die willkürlichen Bewegungen kontrolliert. Dabei ist der STN dafür zuständig, dass erlernte und mittlerweile automatisierte Bewegungsabläufe richtig ausgeführt werden. Besonders wichtig für die Arbeit des Gehirnareals ist dabei der Gehirnbotenstoff Dopamin. Ist davon zu wenig vorhanden, wird der STN überaktiv. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn wie bei Parkinson ein Teil der dopaminproduzierenden Nervenzellen abgestorben ist. Der Betroffene leidet dann unter anderem an Muskelstarre, unwillkürlichen Bewegungen und motorischen Störungen.
Bereits frühere Studien hatten darauf hingedeutet, dass die Symptome bei vielen Parkinson-Patienten nach der Gabe von Scheinmedikamenten ohne Wirkstoffe nachlassen. Diese Berichte basieren offensichtlich nicht auf reiner Einbildung, stellten Benedetti und seine Kollegen nun fest. Die Forscher implantierten einigen Parkinson-Patienten winzige Elektroden ins Gehirn, mit denen sie die Aktivität einzelner Nervenzellen im STN messen konnten.
Bekamen die Testteilnehmer anschließend eine Spritze mit einfacher Salzlösung, von der sie annahmen, sie enthielte ein hochwirksames Medikament, nahm die Aktivität im STN ab – genauso wie bei der tatsächlichen Gabe eines Wirkstoffs. Gleichzeitig verbesserte sich das Befinden der Probanden und die Starre ihrer Armmuskeln ließ deutlich nach. Dies sei der erste direkte Nachweis der Wirkung eines Placebos auf die Gehirnaktivität bei Parkinson, schreiben die Forscher. Ähnliche Effekte sind bereits von Schmerzmittelplacebos bekannt, die ebenfalls messbare körperliche Reaktionen hervorrufen können.
ddp/bdw – Ilka Lehnen-Beyel

















