Gesunde Vorstellungskraft
Das Visualisieren von ärztlichen Anweisungen hilft, sie nicht zu vergessen
Patienten denken regelmäßiger an ihre Medikamente, wenn sie sich die Einnahme des Arzneimittels bildlich vorstellen. Davon profitieren besonders ältere Menschen, die häufig Anweisungen des Arztes oder ihre Medikamente vergessen. Das haben die amerikanischen Wissenschaftlerinnen Linda Liu und Denise Park festgestellt, als sie verschiedene Arten von Gedächtnisstützen für die regelmäßige Durchführung medizinischer Anweisungen miteinander verglichen. Die Forscherinnen vom National Institute on Aging in Bethesda berichten über ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Psychology and Aging (Juni-Ausgabe).
ANZEIGE
Die beste Behandlungsmethode ist unwirksam, wenn die Patienten die Einnahme ihrer Medikamente vergessen oder sich die Ratschläge der Ärzte nicht merken können. Vor allem ältere Menschen sind davon betroffen. Liu und Park suchten daher nach einer einfachen Methode, mit der sich Patienten leichter an ärztliche Anweisungen erinnern können. Dazu bekamen 31 gesunde Probanden im Alter zwischen 60 bis 81 Jahren die Anweisung, drei Wochen lang vier mal täglich ihren Blutzucker zu testen. Die Teilnehmer der Studie durften zur Erinnerung an die Messungen keine Hilfsmittel wie Uhren mit Alarmsignal benutzen.
Für die Studie wurden die Testpersonen in drei Gruppen eingeteilt: Die erste Gruppe sollte sich den Vorgang der Messung vor Beginn der Studie einmal bildlich vorstellen. Die zweite Gruppe bekam mehrfach die Anweisung eines Arztes, die Messungen auf keinen Fall zu vergessen. Die dritte Gruppe sollte eine Liste mit Argumenten für und gegen die Blutzuckeruntersuchungen anfertigten. Die Personen, die sich den Messvorgang detailliert vorgestellt hatte, dachten an 76 Prozent der notwendigen Messungen. Die Teilnehmer der beiden anderen Gruppen führte dagegen nur 46 Prozent der vorgeschriebenen Untersuchungen durch.
Park führt diese höhere Erfolgsquote der ersten Gruppe auf die Lernmethode zurück, da die Methode der ersten Gruppe auf der Einübung eines Automatismus beruhe. Diese einfache Gedächtnisleistung lasse im Alter nicht nach, erläutert Parker. Das Gehirn verknüpft hierbei unbewusst ganze Handlungsstränge. Wer beispielsweise jeden Morgen ein Glas Orangensaft trinkt und unmittelbar danach eine Tablette einnimmt, verbindet diese beiden Ereignisse: Er nimmt die Tablette automatisch, sobald er den Orangensaft getrunken hat, ohne sich die Einnahme des Medikaments bewusst ins Gedächtnis rufen zu müssen.
ddp/bdw – Oliver Schmid

















