Transplantierte Stammzellen im Gehirn aktiv
Neue Ergebnisse besonders für die Epilepsie-Forschung interessant
Embryonale Stammzellen können zur Regeneration von Hirngewebe beitragen. Das hat eine deutsche Forschergruppe um Oliver Brüstle vom Bonner Institut für Rekonstruktive Neurobiologie auf dem 6th European Congress on Epileptology in Wien berichtet. Demnach verbinden sich Vorläufer von Nervenzellen, die aus embryonalen Stammzellen entwickelt wurden, nach einer Transplantation ins Hirngewebe dort funktionell mit dem Empfängergewebe. Die Ergebnisse erscheinen in der Fachzeitschrift "The Journal of Neuroscience" (Bd. 24, S. 5258).
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Brüstle und seine Kollegen konnten in Zellkulturen und in Tiermodellen das Potenzial der aus embryonalen Stammzellen (ES) gezüchteten Nervenvorläuferzellen demonstrieren: Nach einer Transplantation in das Empfängergewebe integrierten sich diese Vorläuferzellen morphologisch und funktionell. Möglicherweise könne so die Regenerationsfähigkeit des zentralen Nervensystems verbessert werden, hoffen die Forscher. Eine solche Therapie sei besonders in der Epilepsie-Chirurgie von Interesse. Hier ist die Entfernung jener Nervenzellen aus dem Gehirn, die durch unkontrollierte Erregung elektrische Entladungen verursachen und so zu epileptischen Anfällen führen, derzeit für 20 % der Epilepsie-Betroffenen die beste Heilungschance.
Brüstle erläutert: "Wir befinden uns derzeit in einem sehr frühen Stadium unserer Forschung. Damit wir den möglichen klinischen Einsatz embryonaler Stammzellen richtig einschätzen können, ist noch einiges an Grundlagenforschung notwendig. Tatsächlich konnten wir aber in Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Heinz Beck an der Bonner Klinik für Epileptologie am Tiermodell bereits nachweisen, dass aus embryonalen Stammzellen gewonnene Nervenzellen sich im Anschluss an eine Transplantation mit den Nervenzellen des Empfängers vernetzen. Sie wandern dort in verschiedene Hirnregionen ein, wo sie dann nicht nur selbst elektrisch aktiv werden und Aktionspotenziale feuern, sondern auch Signale aus dem Empfängergehirn erhalten und verarbeiten."
Ob die Regeneration von Nervengewebe im Gehirn durch diesen Ansatz verbessert werden kann, ist derzeit noch fraglich, und damit auch, ob Epilepsie-Patienten mit dieser Methode geholfen werden kann. Doch neben der Möglichkeit, chirurgisch entfernte oder anderweitig verloren gegangene Nervenzellen zu ersetzen, bietet die Transplantation von Stammzellen in das Gehirn auch die Möglichkeit, anfallshemmende Stoffe in das epileptische Gehirn einzuschleusen.
Dass neue Therapieansätze für zahlreiche Epilepsie-Patienten notwendig sind, bestätigt auch Prof. Christoph Baumgartner, Chairman des Scientific Advisory Committee des 6th ECE und Leiter der Epilepsy Monitoring Unit an der Universitätsklinik für Neurologie, AKH Wien: "Derzeit können zwar bereits zwei Drittel der Betroffenen sehr gut mit modernen Medikamenten behandelt werden, aber noch immer müssen wir für tausende von Patienten andere Therapiewege finden. Einen Ansatz dazu bietet die Epilepsie-Chirurgie, bei der betroffene Hirnareale entfernt werden. Die Effektivität eines solchen Eingriffes könnte durch die anschließende Regeneration mit Hilfe hemmender Nervenzellen noch gesteigert werden."
Universität Wien/Informationsdienst für Forschung und Entwicklung

















