Kometen sind alles andere als lockere kosmische Schutthaufen
Himmelskörper stabiler als gedacht: Bilder von Wild-2 zeigen Krater und Schluchten
Die Bilder, die die Nasa-Raumsonde Stardust am 2. Januar dieses Jahres zur Erde funkte, versetzten die Gemeinde der Planetenforscher in helle Aufregung. Der Komet-Wild-2, an dem Stardust in 230 Kilometern Entfernung vorbeiflog, ist kein loser Schutthaufen, wie man es bislang von Kometen angenommen hat. Der Kern von Wild-2 scheint vielmehr ein einigermaßen fester Brocken zu sein, berichtet ein Forscherteam um Donald Brownlee von der University of Washington in Seattle heute im Journal Science.
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"Wir waren vollkommen überrascht", sagt Brownlee, "wir hatten erwartet, dass die Oberfläche von pulverisierter Kohle übersät ist." Stattdessen zeigen die Bilder von Stardust eine vielfältige Landschaft. Auf der Oberfläche von Wild-2 befinden sich Krater mit teilweise bis zu 70 Grad steilen Wänden, auch spitze, bis zu hundert Meter hohe Felsnadeln sind auf der Oberfläche des Kometen zu erkennen.
Die Krater sind nicht durch Sublimation von Eis aus dem Kometenkern entstanden, sondern durch Kollisionen mit anderen Himmelskörpern, berichten die Forscher. Das deute darauf hin, dass der Kometenkern fester sei als gedacht. Im Gegensatz zu Kratern auf größeren Himmelskörpern ist in den Einschlagtrichtern von Wild-2 kein Schutt zu sehen. Das deute darauf hin, dass der Kern Stöße zum Teil durch Verformung absorbiere. Aufgewirbeltes Material falle außerdem nicht auf den Kometen zurück, weil die Schwerkraft sehr schwach sei. "Wenn man auf dem Kern stehen würde, könnte man in die Umlaufbahn springen", sagt Brownlee.
Die Stardust-Aufnahmen zeigen, dass Kometen offenbar vielfältiger sind als gedacht. Bislang hatten Raumsonden nur die Kometen Halley und Borelly aus der Nähe untersucht, die sich von Wild-2 stark unterscheiden. Beide ähneln mit ihrer länglichen Form eher einem amerikanischen Football, wohingegen Wild-2 an eine fliegende Untertasse erinnert. Die Oberfläche des Halleyschen Kometen, der schon viele hundert, wenn nicht gar tausend Mal im inneren Sonnensystem vorbeikam, ist zudem wesentlich glatter als die von Wild-2, der erst vor 30 Jahren durch eine Begegnung mit Jupiter auf eine Umlaufbahn im inneren Sonnensystem gezwungen wurde. Die Krater auf Wild-2 könnten daher noch Zeugnisse von Kollisionen im Kuiper-Gürtel sein, der ringförmigen Wolke aus Eisplaneten jenseits des Planeten Neptun, aus der der Komet stammt.
Die Mission der Sonde Stardust ist mit der spektakulären Begegnung noch nicht beendet: Mit einem Spezialgerät fing Stardust Teilchen aus dem Schweif des Kometen auf. Anfang 2006 wird eine Kapsel mit dem Kometenstaub in der Wüste von Utah aufschlagen. "Dann", so schreibt Harold Weaver von der Johns Hopkins University, "werden wir endlich Kometenmaterial in den Händen halten, und der wichtigste Teil der Mission beginnt."
Ute Kehse

















