Wandeln statt Schlafen
Zugvögel kommen während ihrer Wanderungen mit wenig Schlaf aus
Manche Zugvögel kommen während ihrer jährlichen Wanderungen fast ohne Schlaf aus und sind dabei kein bisschen müde. Offenbar können sie ihr Schlafbedürfnis für eine gewisse Zeit reduzieren, ohne Leistungsfähigkeit einzubüßen. Das haben Ruth Benca und ihre Kollegen von der Universität von Wisconsin in Madison an Dachsammern nachgewiesen. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher im Fachmagazin PLoS Biology (DOI: 101371/journal.pbio.0020212).
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Die Wissenschaftler beobachteten Dachsammern (Zonotrichia leucophrys) während der Jahreszeiten, in denen sich die Zugvögel auf nächtliche Wanderschaft begeben. In Freiheit lebende Dachsammern stellen in dieser Zeit ihren Lebensrhythmus völlig um: Anstatt nachts zu schlafen, sind sie hellwach und legen auf ihren nächtlichen Wanderungen insgesamt über 4.000 Kilometer zurück. Auch in Gefangenschaft lebende Tiere werden in dieser Zeit unruhig und hüpfen unter viel Geflatter in ihren Käfigen herum, beobachteten die Forscher. Gleichzeitig schlafen die Tiere nur ein Drittel der üblichen Zeit.
Während dieser Ruheperioden treten die Vögel deutlich schneller in den so genannten REM-Schlaf ein, stellten die Forscher bei Messungen der Hirnströme fest. Der REM-Schlaf ist die Schlafphase, in der beim Menschen schnelle Augenbewegungen auftreten und wo am meisten geträumt wird. Neben dem Tiefschlaf scheint auch diese Schlafphase eine wichtige Funktion bei der Erholung und dem Verarbeiten von Erlebnissen zu haben.
Der Schlafentzug während der Zeit nächtlicher Wanderungen scheint den Vögeln überraschend wenig auszumachen, ergaben weitere Versuche. Die Vögel sind voll leistungsfähig und nicht etwa übermüdet, berichten die Forscher. Außerhalb der Wanderzeit bekommt den Vögeln ein Mangel an Schlaf hingegen ebenso schlecht wie den meisten anderen Tieren.
Warum die Dachsammern während dieser Zeit so wenig Schlaf brauchen, wissen die Forscher noch nicht. Weitere Studien sollen nun die Gründe für dieses besondere Schlafverhalten klären. Die Ergebnisse könnten auch neues Wissen über die Schlafmechanismen manisch-depressiver Patienten erschließen. Diese würden ähnlich schlafen wie wandernde Dachsammern, bemerken die Forscher. Oft leiden solche Patienten unter chronischem Schlafmangel, in denen auch ihre Gehirne schneller als üblich in den REM-Schlaf eintreten.
ddp/bdw – Benjamin Eckenfels

















