Quälgeister im Doppelpack
Parasitische Läuse entstanden gleich zweimal während der Evolution
Die Natur hat parasitische Läuse gleich zweimal erfunden: Die heute lebenden Tierlausarten stammen nämlich nicht von einem, sondern von zwei verschiedenen Urahnen ab. Das hat ein internationales Forscherteam beim Vergleich eines bestimmten Gens bei 134 Läusearten entdeckt. Bisher waren Wissenschaftler von einem einzigen Vorfahren ausgegangen. Das Team um Kevin Johnson von der Illinois Natural History Survey im amerikanischen Champaign stellt seine Ergebnisse in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences vor (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2004.2798).
ANZEIGE
Parasitische Läuse leben auf Vögeln oder Säugetieren und ernähren sich – je nach Art – von Blut, Federn, Haaren oder Hautschuppen. Von diesen Tierläusen, auch Phtiraptera genannt, sind etwa 3.500 Arten bekannt. Die Insekten sind an das Leben auf ihrem Wirt sehr gut angepasst: Sie haben meist einen sehr flachen Körper, einen vorstehenden Kopf und ganz besonders geformte Klauen, mit denen sie sich am Wirt festklammern können. Wegen der großen Ähnlichkeit dieser speziellen Merkmale aller Tierläuse gingen Wissenschaftler bislang davon aus, dass sich irgendwann im Lauf der Evolution die parasitische Lebensweise bei einer einzelnen Lausart entwickelt hat und alle heute lebenden Tierläuse von dieser Art abstammen.
Um diese Theorie genauer zu überprüfen, untersuchten Johnson und seine schottischen und japanischen Kollegen ein bestimmtes Gen aus dem Erbgut von 21 parasitisch lebenden Lausarten und verglichen die Sequenz mit der von 113 Staubläusearten. Diese Insekten, von denen es etwa 2.700 Arten gibt, gelten als potenzielle Vorfahren der Tierläuse und ernähren sich nicht von einem Wirt, sondern von Pilzen, Sporen, Flechten und Algen. Der Vergleich der Gensequenzen überraschte die Forscher: Innerhalb der parasitischen Tierläuse gibt es nach ihren Ergebnissen zwei verschiedene Gruppen, die unterschiedlich eng mit den Staubläusen verwandt sind. Daher müssen sie von auch von zwei verschiedenen, nicht parasitischen Urahnen abstammen, folgern die Wissenschaftler.
Die Übereinstimmung der parasitischen Körpermerkmale sei demnach kein Zeichen für eine enge Verwandtschaft der Tiere, schließen die Wissenschaftler. Vielmehr habe sich die Körperform zweimal unabhängig voneinander im Lauf der Evolution entwickelt – wahrscheinlich, weil sie die beste Anpassung an das Leben auf dem Wirtstier bot.
ddp/bdw – Ilka Lehnen-Beyel

















