Was Schachgroßmeister von Anfängern unterscheidet
Kognitionswissenschaften kommen dem Erfolg beim Spiel der Könige auf die Schliche
Gute Schachspieler denken wie Wissenschaftler. Diese Behauptung hat eine Gruppe von Verhaltensforschern auf dem diesjährigen Treffen der Gesellschaft für Kognitionswissenschaften in Chicago aufgestellt. Bevor sich Großmeister demnach für den nächsten Zug einer Partie entscheiden, stellen sie in Gedanken ihre gegenwärtige Theorie für den Weg zum Sieg in Frage.
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Dieser von dem Philosophen Karl Popper als Falsifikation bezeichnete Vorgang wird vor allem von Wissenschaftlern bei der Erstellung theoretischer Modelle benutzt. Dabei stellt ein Forscher zunächst eine Behauptung auf, und versucht dann, diese auf so viele Arten wie möglich selbst zu widerlegen. Michelle Cowley und ihre Kollegen vom Trinity College in Dublin haben nun herausgefunden, dass gute Schachspieler ähnlich denken.
In ihrer Studie setzten die Forscher mehreren Schachspielern vom Anfänger bis zum Großmeister verschiedene Partien vor, in denen Weiß und Schwarz etwa gleich gut dastanden. Die Spieler wurden dann aufgefordert, laut über ihren nächsten Zug nachzudenken.
Dabei stellte sich heraus, dass Anfänger und Großmeister einen völlig unterschiedlichen Gedankenweg zum besten Zug beschreiten. Während erstere mehr über ihren eigenen Zug nachdenken und dabei oft annehmen, dass der Gegner daraufhin diesen oder jenen Fehler begeht, verwenden Großmeister viel mehr Denkarbeit auf die möglichen Züge des Gegners. Somit finden sie heraus, ob ein von ihnen erdachter Zug wirklich zum Gewinn führt oder nicht.
Die von den Spielern gewählten Strategien wurden dabei von dem leistungsfähigen Schachprogramm Fritz 8 auf ihre Qualität hin ausgewertet. Die Forscher wollen nun untersuchen, ob derartige Denkmuster auch bei anderen Personengruppen auftreten.
Stefan Maier

















