Was Krebszellen in fremdes Gewebe treibt
Das Wachstumshormon hGH löst bei Brustkrebs die Bildung von Metastasen aus
Das menschliche Wachstumshormon Somatotropin könnte eine Schlüsselrolle bei der Metastasenbildung bei Brustkrebs spielen: Ein erhöhter Spiegel des Hormons bringt Brustkrebszellen im Labor dazu, sich zu verändern und in anderes Gewebe einzudringen. Das zeigen Experimente eines internationalen Forscherteams. Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen, könnte das Blockieren der Hormonwirkung möglicherweise ein vielversprechender neuer Therapieansatz sein. Das berichten die Wissenschaftler um Peter Lobie von der Universität Auckland (Neuseeland) in der Fachzeitschrift PNAS (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0405881101).
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Brustkrebs ist besonders deswegen so gefährlich, weil die Tumoren sehr häufig Metastasen bilden, die in anderes Gewebe wie beispielsweise die Lymphbahnen eindringen und sich so im ganzen Körper verbreiten können. Daher ist eines der primären Ziele der Krebsforschung, die Faktoren zu identifizieren, die am Übergang der normalen Krebszellen in die aggressiven metastasenbildenden Zellen beteiligt sind. Ein potenzieller Kandidat für einen solchen Faktor ist das Wachstumshormon hGH, auch Somatotropin genannt. Dieses Hormon steuert verschiedene Stoffwechsel- und Wachstumsprozesse im Körper. Bereits aus früheren Studien ist bekannt, dass Brustkrebstumoren, die Metastasen bilden, ungewöhnlich große Mengen hGH enthalten.
Um zu überprüfen, ob die erhöhte hGH-Konzentration tatsächlich die Metastasenbildung verursacht, fügten die Wissenschaftler dem Erbgut kultivierter Brustkrebszellen das hGH-Gen hinzu. Das hatte einen dramatischen Effekt auf die Zellen: Sie veränderten ihr Aussehen, bildeten Ausstülpungen und verloren den Kontakt zueinander – alles typische Anzeichen für einen metastasenbildenden Zelltyp. Wurden diese Zellen gentechnisch veränderten Mäusen verabreicht, entwickelten sich bei den Nagern sehr schnell Brustkrebstumoren mit Metastasen. Nicht veränderte Brustkrebszellen dagegen bildeten in den Tieren zwar Tumoren, jedoch keine Tochtergeschwüre.
Obwohl hGH wahrscheinlich nicht der einzige Faktor für die Bildung von Metastasen ist, scheint das Hormon doch eine Schlüsselrolle dabei zu spielen, schreiben die Forscher. Sie hoffen daher, mit dieser Entdeckung die Grundlage für eine verbesserte Brustkrebstherapie gelegt zu haben, bei der ganz speziell die Wirkung von hGH blockiert und damit die Bildung der gefährlichen Metastasen verhindert wird.
ddp/bdw – Ilka Lehnen-Beyel

















