Radioaktive Belastung des Vaters erhöht Leukämierisiko beim Kind
Keimzellen von russischen Männern weisen nach Tschernobyl hohe Mutationsrate auf
Kinder haben ein erhöhtes Leukämierisiko, wenn ihre Väter einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt waren. Auf einen solchen Zusammenhang deuten die Ergebnisse von Untersuchungen britischer Wissenschaftler hin. Die Forscher fanden bei Familien, die während der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl einer hohen Dosis radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren, in den väterlichen Keimzellen eine deutlich erhöhte Anzahl von Mutationen. Diese Erbgutveränderungen werden an die Nachkommen weitergegeben und erhöhen das Leukämierisiko für die Kinder. Das berichteten Yuri Dubrova von der Universität Leicester und seine Kollegen auf einer internationalen Konferenz zum Thema Leukämie bei Kindern in London.
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So genannte ionisierende Strahlung wie Radioaktivität, Röntgenstrahlung oder UV-Licht ist ein Risikofaktor für das Entstehen von Leukämie bei Kindern. So lag die Leukämierate im Kindesalter beispielsweise bei Menschen höher, die den Folgen der Atombomben in Japan ausgesetzt waren. Auch Röntgenuntersuchungen bei werdenden Müttern gelten als mögliches Risiko für die ungeborenen Kinder.
Nach den Ergebnissen von Dubrova und seinen Kollegen scheint jedoch nicht nur eine direkte Strahlenexposition der Kinder zum Risiko beizutragen. Die Wissenschaftler setzten Mäuse radioaktiver Strahlung aus und untersuchten, wie viele Mutationen das Erbgut der Tiere aufwies. Die Strahlung erhöhte dabei nicht nur in den Körperzellen die Mutationsrate, sondern auch in den Keimzellen der Mäuse. Diese Veränderungen gingen sogar auf die nächste Generation über: Auch die Keimzellen des Nachwuchses der bestrahlten Tiere zeigten eine deutlich erhöhte Mutationsrate.
Aufgrund dieser Entdeckung untersuchten die Wissenschaftler, ob die Strahlung auch beim Menschen ähnliche Veränderungen der Keimzellen auslöst. Dazu bestimmten sie die Mutationsrate der Keimzellen von Menschen aus Weißrussland und der Ukraine, die seit dem Reaktorunglück von Tschernobyl 1986 radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren. Auch hier fanden die Forscher eine 1,6fach erhöhte Mutationsrate bei den väterlichen Keimzellen, während die Veränderungsrate der mütterlichen Zellen unverändert war. Damit steige auch die Gefahr, dass Kinder dieser Väter empfänglicher für Krankheiten wie Leukämien sind, kommentieren die Forscher.
ddp/bdw – Ilka Lehnen-Beyel

















