Amerikanische Forscherin: Grundlagen der Sprache sind angeboren
Logische Strukturen gehorchen einheitlichen Regeln
Kinder entwickeln selbstständig die zum Erlernen einer Sprache erforderlichen Regeln. Dabei scheinen die notwendigen Grundlagen angeboren zu sein. Das schließen Wissenschaftler nach Beobachtungen an einer Schule für Gehörlose in Nicaragua. Über ihre Studie berichtet die internationale Forschergruppe um Ann Senghas von der Columbia-Universität in New York in der Fachzeitschrift Science (Bd.305, S. 1779)
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Neue Schüler erlernten ohne spezielle Schulung in kurzer Zeit die Gehörlosensprache, stellten die Wissenschaftler bei der Beobachtung der Schüler fest. Dabei kam es ohne äußere Einflüsse zu einer ständigen Weiterentwicklung der Sprache, die sich in ihrem Kern scheinbar den Regeln der gesprochenen Sprachen annäherte. Die Wissenschaftler begannen daraufhin eine Studie, an der Gehörlose verschiedenen Alters teilnahmen, sowie eine Reihe Spanisch sprechender Nicaraguaner. In Nicaragua existieren erst seit etwa dreißig Jahren Schulen für Gehörlose, weshalb die Forscher sich einen grundsätzlichen Einblick in die Entstehung einer Sprache erhofften.
Die Wissenschaftler zeigten in ihrer Studie den Teilnehmern einen Cartoon, in dem eine Katze eine Bowlingkugel verschluckt und anschließend einen Abhang herunterrollt. Anschließend sollten die Probanden die Szene mit eigenen Worten wiedergeben.
Die ältere Gruppe der Gehörlosen beschrieb das Herunterrollen dabei meist in einer Bewegung. Diese glich der Bewegung, die einige der sprechenden Teilnehmer während der verbalen Beschreibung machten. Im Gegensatz dazu trennten die jüngeren Probanden Art und Richtung des Vorgangs in zwei aufeinanderfolgende Bewegungen – genau wie bei der Beschreibung in gesprochener Sprache, die ja auch "herunter" und "rollen" als zwei getrennte Begriffe darstellt.
"Was die jüngeren getan haben, ähnelt eher Sprachen als Gesten, obwohl sie für ihre Beschreibung Gesten verwenden", erklärt Senghas. Aus Sicht der Wissenschaftler suchen Kinder automatisch nach Regeln, um Sprachen zu präzisieren. Alles um die Kinder herum vermittle ihnen, dass die Art ("rollen") und die Richtung ("herunter") zusammengehören. "In der Szene läuft beides ebenso gleichzeitig ab wie in der Geste eines Erzählers. Dennoch wählen sie den aufwändigeren Weg einer unabhängigen Beschreibung. Das entspricht dem, was wir in der Entwicklung aller Sprachen sehen", interpretiert Senghas die Ergebnisse der Studie. Aus der Sicht ist der Forscherin ist das Erlernen einer Sprache bei Kindern mit dem Erlernen des Laufens vergleichbar.
ddp/bdw – Dirk Gilson

















